Die Frage, wie stark die geplante Verschärfung der Eigenkapitalvorgaben die UBS belasten würde, sorgt für kontroverse Einschätzungen. Während der aktivistische Investor Lars Förberg die neuen Regeln als existenzielle Bedrohung für die Bank einstuft, kommen unabhängige Ökonomen zu deutlich milderen Befunden.
Cevian-Mann Förberg warnte in der «NZZ am Sonntag», dass die geforderten neuen Eigenkapitalregeln die UBS jährlich rund 6,5 Milliarden Dollar kosten würden – ein Betrag, der rund 20 Prozent der Gesamtkosten der Bank entspräche. Wie Cevian, die 1,3 Prozent an der UBS hält, auf diese Zahl kommt, wird im Artikel nicht erläutert.
Ein Sprecher präzisiert gegenüber tippinpoint, dass sich die Kosten auf ein zusätzliches Kapital von 42 Milliarden Dollar beziehen würden. Neben den 24 Milliarden, die der Vollabzug der Tochtergesellschaften kosten würde, rechnet Cevian auch weitere Zuschläge hinzu, die sich unter anderem durch die Vergrösserung des Geschäftsvolumens ergeben haben und damit gegeben sind. Wie das Zahlenmaterial zeigt, rechnet der Investor mit Kapitalkosten von 15,5 Prozent, was 50 Prozent über den üblicherweise angenommenen 10 Prozent liegt.
Seiner Ansicht nach verfolgen die Schweizer Behörden damit indirekt das Ziel, die Grossbank aus dem Land zu drängen. Auch UBS-Chef Sergio Ermotti spricht von «drakonischen und überzogenen» Anforderungen. Die Bank selbst beziffert die Zusatzkosten auf über zwei Milliarden Dollar pro Jahr; zusammen mit den Auflagen im Zuge der Credit-Suisse-Übernahme sogar auf mehr als vier Milliarden Dollar.
15,5 Prozent oder 0,5 Prozent
Ganz anders fällt das Urteil zweier Finanzprofessoren aus. Pascal Böni von der Tilburg University und Heinz Zimmermann von der Universität Basel haben die Annahmen der UBS überprüft und kommen in einer Studie zum Ergebnis, dass die Mehrkosten stark überschätzt seien. Unter realistischen Bedingungen seien lediglich zusätzliche Kapitalkosten von maximal 120 Millionen Dollar pro Jahr zu erwarten, heisst es in der Studie, über die die «SonntagsZeitung» zuerst berichtet hat.
120 Millionen Dollar entsprächen Kapitalkosten von vernachlässigbaren 0,5 Prozent. Ihre Begründung: Mehr Eigenkapital reduziere das Ausfallrisiko der Bank, was zu günstigeren Refinanzierungskonditionen führe. Die daraus resultierenden Vorteile könnten die Belastungen durch weniger Steuerabzüge auf Fremdkapital weitgehend kompensieren. Wie sie darauf kommen, kann man in diesem Paper nachlesen.
Damit prallen zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen aufeinander: Auf der einen Seite die UBS und ihre Investoren, die massive Wettbewerbsnachteile befürchten, auf der anderen Seite Akademiker, die die Reform für durchaus verkraftbar halten. Diese riesige Diskrepanz macht es für die Politik nicht gerade einfach, sich ein Bild über die Lage zu verschaffen. Letztlich aber muss sie entscheiden, wie systemrelevante Banken reguliert werden sollen.

