Es ist eine Übung, wie sie die Schweiz noch kaum je gesehen hat: die Verschiebung von 1,2 Millionen Kundenkonten von einer Grossbank zur anderen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, kommt es nun zu einer ersten grösseren Störung im Mammutprojekt. Demnach hat die UBS die Überführung von reichen Schweizer Credit-Suisse-Kunden auf die eigene Plattform um mehrere Monate hinausgeschoben.
Dadurch droht der Plan, die Migration aller in der Schweiz gebuchten Kunden bis März 2026 abzuschliessen, zu scheitern. Die technische Überführung von vermögenden Private-Banking-Kunden – darunter auch das Segment der schwerreichen «Ultra High Net Worth Individuals» – mit Buchungsplattform Schweiz ist nun für das erste Quartal 2026 vorgesehen. Die Migration einiger Kunden, deren Konten schon im September hätten transferiert werden sollen, ist nun auf Januar verschoben worden. Eine weitere Migrationswelle ist für Februar geplant, wieder eine weitere für März.
Laut Reuters sind die Gründe für die Verzögerung unklar. Ein Insider sprach davon, dass die Integrationsteams «überlastet» seien. Ein anderes Problem: Zum Jahresende wird auch die Erstellung der Steuerauszüge für die Steuererklärungen fällig, was alles verkomplizieren könnte.
Zwei der Insider erklärten, die Bank könnte den Schritt für dieses kritische und anspruchsvollste Kundensegment verschoben haben, nachdem bei der Übertragung weniger vermögender Kunden Pannen aufgetreten seien. Tippinpoint berichtete über Probleme mit Retail- und Affluent-Kunden. Die Überführung der Konten erfolgt zentral in der sogenannten «Migration Factory», die sich in Zürich-Altstetten befindet (Bild).
Heikler Moment für die Kundenbeziehung
Der Moment, an dem die Konten verschoben werden, ist heikel – nicht nur auf technischer Ebene, sondern auch in Bezug auf die Kundenbeziehung. Für Kunden, die zum Teil während Jahrzehnten an die Credit Suisse gewöhnt waren, bedeutet die Migration, dass sie sich plötzlich in einer für sie unbekannten Welt befinden. Wenn dann nicht alles perfekt klappt, ist die Schwelle niedrig, sich nach einer neuen Bankbeziehung umzuschauen. Tatsächlich, so schreibt es zumindest Reuters, bestehe bei der UBS die Sorge, dass die Abflüsse von Geldern ehemaliger Credit-Suisse-Kunden bei der Migration höher ausfallen könnten als erwartet.
«Die Migration der Schweizer Kunden verläuft wie geplant», erklärte dagegen ein UBS-Sprecher. Er verwies zudem auf Angaben der Bank bei der Veröffentlichung der Quartalsergebnisse im Oktober. Damals hiess es, bis Ende Oktober seien über 0,7 Millionen Kundenkonten erfolgreich überführt worden.
500’000 Konten stehen noch auf dem Programm
«Damit haben wir mehr als zwei Drittel der infrage kommenden Kundenkonten migriert und sind auf gutem Weg, die Überführung der Schweizer Buchungszentren bis Ende des ersten Quartals 2026 abzuschliessen.» Insgesamt müssen 1,2 Millionen Kundenkonten überführt werden. Es stehen also immer noch eine halbe Million Kundenkonten auf dem Programm.
Gemäss früheren Berichten, dürfte eine Verzögerung von drei oder mehr Monaten realistisch sein. Der Startschuss fiel vor über einem Jahr in Singapur mit 18'000 CS-Kunden. Insgesamt geht es um 1,2 Millionen Kundenkonten. Davon gehören 1 Million ins Retail-Segment. Der Rest entfällt auf Private-Banking- und Firmenkunden. Gesondert behandelt werden die komplexesten Fälle aus dem Private Banking und dem Firmenkundengeschäft. Diese Gruppe wird individuell, quasi von Hand, auf die UBS-Systeme überführt.

