UBS-Chef Sergio Ermotti sagte am «Tages-Anzeiger»-Meeting letzte Woche, die Schweiz solle sich weniger an ihren Nachbarländern orientieren und stattdessen andere Staaten als Vorbilder nehmen. Er nannte dabei Singapur, Schweden und Israel.
Dass Ermotti ausgerechnet diese drei Länder erwähnt, ist bemerkenswert. Ihre Volkswirtschaften verfügen über keine global systemrelevante Bank (G-SIF), wie es die UBS ist.
Trotzdem gelingt es Singapur, Schweden und Israel, sich wirtschaftlich erfolgreich zu behaupten. Schweden hat sich zu einem Fintech-Hub entwickelt, mit Unternehmen wie Klarna, das inzwischen in New York kotiert ist. Auch die Streaming-Plattform Spotify ist dort entstanden – und behauptet sich bis heute gegen US-Techgiganten.
Erfolgreich trotz oder wegen Abwesenheit einer Grossbank
Diese Firmen konnten gedeihen – trotz oder vielleicht gerade wegen der Abwesenheit einer nationalen Grossbank. Die einzige frühere schwedische G-SIF-Bank, Nordea, verlegte ihren Sitz nach Finnland, um unter den Schutzschirm der Europäischen Zentralbank zu gelangen. Geschadet hat dies Schweden offenbar nicht.
Auch in Israel ist eine florierende Startup-Szene entstanden, ohne dass das Land eine eigene global systemrelevante Bank beheimatet. Singapur wiederum hat sich zu einem der weltweit wichtigsten Wealth-Management-Hubs entwickelt – ebenfalls ohne eine dominierende Bank mit G-SIF-Status.
Das heisst selbstverständlich nicht, dass die Schweiz ohne die UBS besser dastünde. Im Gegenteil: Von der Schweiz aus operieren zahlreiche multinationale Konzerne, die auf die Dienstleistungen von Grossbanken angewiesen sind. Umso interessanter ist Ermottis Einschätzung.
Denn der Schweiz mangelt es an Innovation und an Startups, denen der internationale Durchbruch gelingt. Zu denken geben muss, dass hierzulande trotz eines bedeutenden Finanzplatzes und exzellenter Hochschulen in Zürich und Lausanne deutlich weniger Startups mit Einhorn-Status entstehen als etwa in Schweden oder Israel.

