Die Schweiz hat weitere russische Vermögenswerte gesperrt. Anfang Juni dieses Jahres waren damit 8,5 Milliarden Franken eingefroren, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage von Tippinpoint bekanntgab. Das entspricht einer Zunahme um 13 Prozent im Vergleich zum letzten kommunizierten Wert von 7,5 Milliarden Franken. Betroffen sind neben Finanzwerten 14 Liegenschaften sowie Sport- und Luxusautos, Flugzeuge, Kunstwerke, Möbel und Instrumente von natürlichen Personen, Unternehmen und Organisationen, die aufgrund der sogenannten Ukraine-Verordnung sanktioniert sind. Die Schweiz hatte nach dem russischen Angriff auf die Ukraine nach kurzem Zögern die Sanktionen der EU gegen Russland übernommen und die seither erlassenen 20 Sanktionslisten weitgehend umgesetzt.
Im Fall von 1,65 Milliarden Franken handelt es sich nach wie vor um eine superprovisorische Sperre, wie das Seco weiter erklärte. Sie betrifft Vermögenswerte aus dem Umfeld des Oligarchen Suleiman Kerimow. Das Seco führt in diesem Zusammenhang ein Verwaltungsverfahren und die Bundesanwaltschaft auf Ersuchen des Seco seit November 2023 ein Strafverfahren wegen Verdachts der Umgehung der Sanktionen und wegen Geldwäscherei.
Die Zunahme der gesperrten Gelder ist einerseits darauf zurückzuführen, dass mit den insgesamt 20 Sanktionspaketen zusätzliche Vermögen in der Schweiz ermittelt und eingefroren wurden. Andererseits sind die bereits gesperrten Guthaben Wertschwankungen unterworfen. Dabei spielte laut Seco insbesondere der starke Anstieg des Goldpreises eine bedeutende Rolle. Die für die Umsetzung der Sanktionen zuständige Behörde erinnerte zudem daran, dass die Höhe der gesperrten Vermögenswerte keine direkte Messgrösse für die Umsetzung der Sanktionen sei. Es handle sich um eine Momentaufnahme, wobei der Gesamtwert in beide Richtungen schwanken könne. So beeinflussen Wertfluktuationen, Wechselkurseffekte, Marktbewegungen sowie Aktualisierungen der Datengrundlagen den Gesamtwert.
Keine neuen Angaben waren vom Seco zunächst zu den hierzulande gesperrten Guthaben der russischen Zentralbank erhältlich. Bisher war von rund 7,4 Milliarden Franken die Rede. Auch hier könnte der Goldpreis den Wert inzwischen erhöht haben. Im Zuge der Sanktionen müssen die Finanzintermediäre jährlich alle russischen Einlagen von über 100'000 Franken melden. Ende 2022 beliefen sich diese nicht sanktionierten russischen Guthaben noch auf 46,1 Milliarden Franken. Innerhalb von zwei Jahren reduzierten sich diese Gelder um 71 Prozent auf noch 12,8 Milliarden Franken. Der Wertrückgang ist laut Seco auf eine beträchtliche Reduktion der Geschäftsbeziehungen zurückzuführen. Neuer Zahlen per Ende 2025 liegen noch nicht vor.
Die Banken trennen sich von russischen Kunden
Dass die hiesigen Banken seit Beginn des Ukrainekriegs im Umgang mit russischen Kunden zurückhaltend geworden sind, ist auch der länderweise gegliederten Bankenstatistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zu entnehmen. Gemäss den soeben veröffentlichten Daten verwalteten die Banken in der Schweiz Ende 2025 noch russische Guthaben in der Höhe von 8,6 Milliarden Franken. Das sind 60 Prozent weniger als Ende 2021. In den letzten beiden Jahren hat sich der Rückgang allerdings verlangsamt. Die SNB-Statistik bildet insofern nur einen Teilaspekt der gesamten Geschäftsbeziehungen ab, als sich die Daten auf das Bilanzgeschäft beschränken. Nicht erfasst sind namentlich die Wertschriftendepots, denen eine deutlich grössere Bedeutung zukommt. Die Schweizerische Bankiervereinigung war nach einer Schätzung von Ende März 2022 noch von Vermögen russischer Kunden in der Schweiz in der Höhe von rund 150 Millionen Franken ausgegangen.

