Verkauf zum Schnäppchenpreis?
Der Notverkauf der Regionalbank an die Acrevis Gruppe verärgert Aktionäre und langjährige Kunden der Bank. Sie sprechen vom «Mänidorfer Bankenskandal», einer «Credit Suisse in klein».
17. Februar 2026 • Beat Schmid

Kunden und Aktionäre verstehen die Welt nicht mehr. Im Dorf spricht man vom «Mänidorfer Bankenskandal», einem «katastrophalen Fall», ja von einer «Credit Suisse in klein». Grund für die Emotionen ist der Verkauf der Bank an die Ostschweizer Acrevis Gruppe, der letzte Woche bekannt wurde.

Die Parallelen mögen überzogen sein, allerdings handelt es sich tatsächlich um eine Art Notverkauf, auch wenn die Beteiligten von einem «wohlüberlegten und zukunftsgerichteten Schritt» sprechen. Wie bei der Credit Suisse kamen die Probleme nicht von heute auf morgen. Ursache der Krise ist auch nicht der Umbau des Sitzes in Männedorf, der als «Luxusbau» bezeichnet wird. Er mag höchstens die Krise beschleunigt haben.

Wie beim grossen Bruder vom Paradeplatz begannen die Probleme der Bank schon viel früher. Die 1903 gegründete «Gewerbebank Männedorf» war seit je eine Bank der Gewerbler. Sie waren die Kunden und auch die wichtigsten Aktionäre. Die Probleme haben in den 2010er Jahren mit der früheren Chefin begonnen, sagt ein Insider. Sie führte zehn Jahre die Bank und habe nicht gemerkt, dass sich das Dorf verändert.

Wandel verpasst

Durch die vielen Zuzüger sei Männedorf zu einem Teil der Goldküste geworden. Die Regiobank habe die Entwicklung verschlafen. «Das ganze Wachstum ist an der Bank vorbeigegangen», sagt eine Stimme aus dem Dorf. Wie in vielen Gemeinden, die einen Aufschwung erleben, wird das Gewerbe verdrängt. Hinzu kam, dass sich Raiffeisen in der Region ausbreite.

Die Probleme setzten ein, es kam zu happigen Kreditverlusten. Dann kam es zu einem Wechsel an der Spitze. Das Präsidium übernahm der Wirtschaftsanwalt Thomas Stäheli, operativer Chef wurde André Häberling, ein Küsnachter. Doch die Bank auf nachhaltigen Erfolgskurs zu setzen, vermochten sie nicht. Man habe schlicht nichts gemacht, sagt ein aufgebrachter Männedörfler. «Blöde YouTube-Videos, mehr hat man nicht gemacht.»

Verkauf zum Schnäppchenpreis?

Dass etwas faul war, konnte man auch in der Erfolgsrechnung ablesen, an der Entwicklung von Kosten und Ertrag. Statt den Gürtel enger zu schnallen, stiegen die Gehälter an – zwischen 2019 und 2024 um 62 Prozent. Der Bruttoerfolg aus dem Zinsgeschäft, der Hauptertragsquelle, blieb dagegen unverändert.

Aktionäre und Kunden merken schnell, wenn etwas nicht mehr stimmt. Manche nahmen Reissaus und zogen Spargelder ab, oftmals Beträge über 100'000 Franken. Im Geschäftsjahr 2023 verlor die Bank 12 Prozent der Einlagen. Sie fielen auf 294 Millionen, von 338 Millionen im Jahr zuvor. Als Gegenmassnahme führte die Bank das «Sparkonto Goldküste» ein und lockte mit Vorzugszinsen. Das brachte zwar Neugelder, drückte aber auf die Zinsmarge.

Jetzt ist man mit dem Latein am Ende. Die Zeche müssen die Aktionäre zahlen. Die Regiobank Männedorf wies Ende 2024 ein Eigenkapital von 42,1 Millionen Franken aus. Jetzt wird die Bank für 25,8 Millionen Franken an die Acrevis verkauft. Es liegt nahe, dass dies ein absoluter Schnäppchenpreis ist. Selbst wenn die Käuferin grosszügige Abschreiber auf dem luxuriösen Neubau vornehmen müsste, dürfte sie mit der Transaktion einen happigen Gewinn von über zehn Millionen Franken einstreichen.

An der Generalversammlung vom 26. März müssen die Aktionäre der Regiobank über den Verkauf befinden. Schon jetzt ist klar, dass es eine der turbulentesten werden wird in der 123-jährigen Geschichte der Bank.