Schlappe für Bundesanwaltschaft
Da die Tessiner Bank und ihre Mitarbeiter die Beweismittel siegelten, erhielt die Bundesanwaltschaft erst wenige Monate vor Ablauf der Verjährungsfrist Zugang zu den Daten – zu spät für eine Anklageerhebung.
9. Juli 2026 • Beat Schmid

Die Privatbank Cramer & Cie entgeht im Zusammenhang mit dem Petrobras-Korruptionsskandal einem Gerichtsverfahren wegen Geldwäscherei. Zwar kommt die Bundesanwaltschaft zum Schluss, dass über die Luganeser Niederlassung zwischen 2013 und 2014 insgesamt 32,5 Millionen Dollar an Bestechungsgeldern geschleust wurden. Das Verfahren musste jedoch wegen Verjährung eingestellt werden.

Dies geht aus einer Einstellungsverfügung vom Januar hervor, die dem Westschweizer Justizportal Gotham City vorliegt. Das sei Entscheidung, die die Bundesanwaltschaft «nicht an die grosse Glocke hängt», schreibt das Medium.

Ausschlaggebend waren langwierige Entsiegelungsverfahren. Die Bank und einzelne Mitarbeitende beantragten diesen Schutz unmittelbar nach den Hausdurchsuchungen im Jahr 2020. Das zuständige Tessiner Gericht benötigte mehr als drei Jahre, um über die Entsiegelung zu entscheiden. Die Bundesanwaltschaft erhielt erst im April 2024 vollständigen Zugang zu den Daten – nur wenige Monate vor Ablauf der zehnjährigen Verjährungsfrist für einfache Geldwäscherei.

Die Kosten trägt der Bund

Eine längere Verjährungsfrist wäre nur bei qualifizierter Geldwäscherei anwendbar gewesen. Dafür sah die Bundesanwaltschaft jedoch keine ausreichenden Anhaltspunkte. Da auch das Verfahren gegen zwei ehemalige Cramer-Banker eingestellt wurde, fehlte die Grundlage für eine Strafbarkeit der Bank.

Die Verfahrenskosten von rund 21'000 Franken trägt der Bund. Die Bank muss keine Kosten oder weitere Konsequenzen tragen. Die beschlagnahmten digitalen Daten werden vernichtet.

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