Europa ist mit 8 Billionen Dollar an US-Aktien und -Anleihen der mit Abstand grösste Kapitalgeber der Vereinigten Staaten. Genau diese enge finanzielle Verflechtung könnte nun zum Risikofaktor werden. Laut Devisenstrategen stellt sich angesichts jüngsten Drohungen die Frage, weshalb europäische Investoren diese Rolle unverändert weiterführen sollten. Eine schrittweise Umschichtung weg vom Dollar wäre die logische Konsequenz – und würde den Euro strukturell stützen.
Kurzfristig zeigte sich zwar eine klassische Risikoaversion: Euro und Pfund gerieten zunächst unter Druck, während Yen und Schweizer Franken als sichere Häfen gesucht waren. Doch diese Bewegung hielt nicht lange an. Im früheren Tagesverlauf drehte der Markt, der Dollar gab breit nach, und der Euro erholte sich auf über 1,16 Dollar. Dieses Muster ist nicht neu. Bereits bei früheren Zollankündigungen Trumps reagierten die Devisenmärkte weniger mit Euro-Schwäche als mit wachsendem Misstrauen gegenüber US-Assets. Der Bitcoin hat in der Nacht von Sonntag auf Montag 4,5 Prozent verloren. Gold und Silber kletterten auf neue Höchststände.
Auffällig ist auch die Positionierung der Hedgefonds. Kurz vor den neuen Drohungen drehten sie erstmals seit November auf eine Netto-Short-Position im Euro. Das erhöht zwar kurzfristig den Abwärtsdruck, verstärkt aber zugleich das Risiko abrupter Gegenbewegungen, falls sich die politische Eskalation zuspitzt oder Europa geschlossen reagiert.
Trump: «Es wird erledigt werden!!!»
Die Diskussion um mögliche Gegenmassnahmen der EU, inklusive des Anti-Coercion-Instruments, deutet auf eine stärkere politische Kohäsion hin. Ein Schulterschluss würde nicht nur handelspolitisch, sondern hätte auch Folgen auf die Währungen.
Derweil legte Trump rhetorisch nochmals nach. Er warf Dänemark erneut vor, nicht genug gegen die Bedrohung von Grönland durch Russland zu tun. Seit zwei Jahrzehnten warne die Nato vor der «russischen Bedrohung», schrieb Trump auf einer Medien-Plattform. «Leider war Dänemark bisher nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen. Jetzt ist es an der Zeit, und es wird erledigt werden!!!» Was er damit genau meinte, liess er offen. Trump wird am Mittwoch in Davos erwartet.

