«Reziproke» Zölle
Der Zoll-Knaller von Donald Trump schickt die Aktienkurse südwärts. Für den S&P 500 senkt die Grossbank ihre Prognosen deutlich.
4. April 2025 • Beat Schmid

Die UBS hat ihren Ausblick für den US-Aktienmarkt deutlich zurückgenommen. In einer Einschätzung vom 4. April stuft die Grossbank US-Aktien von «Attractive» auf «Neutral» herab und senkt das Kursziel für den S&P 500 bis Ende Jahr von bisher 6400 auf 5800 Punkte. Trotz dieser Reduktion erwartet UBS damit immer noch ein einstelliger prozentualer Zuwachs gegenüber dem aktuellen Stand – ein schwacher Trost angesichts wachsender Risiken.

Die Bank reagiert damit auf Donald Trumps Ankündigung «reziproker» Zölle, die «deutlich höher als erwartet» ausfielen. Wegen dieser Maßnahme rechnen die UBS-Ökonomen noch mit einem realen BIP-Wachstum von unter einem Prozent – ein Rückgang, der weitreichende Folgen für Unternehmensgewinne und die Kapitalmärkte haben dürfte.

In diesem Kontext hat UBS auch ihre Einschätzung für US-Techaktien, für den Bereich Künstliche Intelligenz sowie für taiwanesische Aktien von «am attraktivsten» auf «attraktiv» zurückgenommen.

Kein Wachstum der Unternehmensgewinne

Die Gewinnerwartungen für den S&P 500 wurden von zuvor 265 auf nur noch 250 US-Dollar je Aktie gesenkt – was so viel wie kein Wachstum gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Eine Erholung der Gewinne erwartet die UBS frühestens im Jahr 2026. Die UBS-Analysten erwarten bei einem Indexstand um die 5000 Punkte ein attraktiveres Chance-Risiko-Verhältnis für Anleger.

Die UBS schreibt auch, dass gewisse technische und stimmungsgetriebene Indikatoren derzeit auf eine mögliche Erholungsbewegung hindeuten würden. Die Marktstimmung sei schlecht, Volatilität hoch, und der S&P 500 liegt bereits 12 Prozent unter seinem bisherigen Höchststand – ein Umfeld, das traditionell Spielraum für eine Gegenbewegung bietet.

Noch im November hatten UBS-Ökonomen im Team von CIO Mark Haefele ein Wachstum von 10 Prozent für den Leitindex bis Ende 2025 prognostiziert. Seitdem hat der S&P 500 aber nahezu in diesem Umfang nachgegeben.

Ein zentraler Faktor für eine mögliche Trendwende bleibt die US-Handelspolitik. Sollte die Trump-Regierung auf Druck von Wirtschaft und Opposition zu moderateren Zöllen zurückkehren, könnte dies das Vertrauen der Märkte stützen. Auch rechtliche Hürden für die Umsetzung der Massnahmen könnten zur Entspannung beitragen, schreibt die UBS.

Rutschbahn auf 4500 Punkte

Darüber hinaus spekuliert die Grossbank, dass eine weitere Abkühlung der Konjunktur die US-Notenbank zu aggressiveren Zinssenkungen veranlassen könnte – eine Entwicklung, die von den Aktienmärkten in der Regel positiv aufgenommen wird.

In einem optimistischen Szenario – mit deutlich abgeschwächter Zollpolitik und einem kräftigen Vertrauensschub für Unternehmen und Verbraucher – sieht UBS das S&P-500-Ziel bei 6500 Punkten. Helfen könne auch ein schnellerer und stärkerer Produktivitätsschub durch Künstliche Intelligenz, heisst es weiter.

Im Downside-Szenario – etwa bei einer harten wirtschaftlichen Landung oder eskalierender geopolitischer Unsicherheiten – könnte der Index hingegen auf 4500 Punkte abrutschen. Risiken sieht UBS insbesondere im Nahost-Konflikt, im Krieg in der Ukraine sowie in einer möglichen Verschärfung der US-chinesischen Spannungen.

Die Aktien der UBS verloren gestern 8,33 Prozent. Die Bank war damit eines der Schlusslichter im SMI.