Anlagepolitik
Laut einer Analyse der sogenannten SNB-Koalition ist die Schweizerische Nationalbank an 69 Fracking-Unternehmen beteiligt. Das entspreche den üblichen Standards, sagt die SNB. Sie hätte aber auch gute Gründe, die Firmen auf die Ausschlussliste zu setzen.
20. November 2023 • Beat Schmid

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) steht wegen ihrer 9 Milliarden Dollar schweren Investitionen in 69 Öl- und Gas-Fracking-Unternehmen in der Kritik. Laut der sogenannten SNB-Koalition, hinter der acht NGOs stehen, macht Fracking mehr als die Hälfte der rund 16 Milliarden Dollar aus, die die Notenbank in die Förderung fossiler Brennstoffe investiert hat.

Beim Fracking werden fossile Brennstoffe unter hohem Druck aus dem Untergrund gepresst. In den USA hat diese Fördermethode einen enormen Boom bei Schieferöl und -gas ausgelöst. Wegen des grossen Ressourcenverbrauchs stösst Fracking allerdings auf heftige Kritik. Auch in der Schweiz, wie die SNB-Koalition in ihrem Bericht festhält.

Vierzehn Schweizer Kantone, in denen 69 Prozent der Schweizer Bevölkerung leben, lehnen Fracking ab. Diese Kantone halten rund 27 Prozent der SNB-Aktien. Die Nationalbank könne sich nicht einfach darüber hinwegsetzen, wenn die Ablehnung von Fracking durch die Kantonsregierungen und die Bevölkerung breit abgestützt sei, schreibt die NGO-Allianz, der die Organisationen Klima-Allianz Schweiz, BreakFree, WWF, Greenpeace, Campax, Forum Geldpolitik, Klimastreik und Fossil-Free angehören.

Nur Kohle auf Ausschlussliste

Ein SNB-Sprecher sagte der Zeitung «Le Matin Dimanche», die am Sonntag zuerst über den Bericht berichtet hatte, dass die Anlagepolitik der SNB den «in der Schweiz breit akzeptierten Grundnormen» entspreche und dass sie ihr Portfolio laufend überprüfe.

Die Nationalbank hat nur sehr wenige Unternehmen und Branchen auf ihrer Ausschlussliste. Sie sieht keinen Grund, nicht in Unternehmen zu investieren, deren Produkte und Dienstleistungen in der Schweiz nachgefragt werden. Wie die Bank auf ihrer Website schreibt, berücksichtigt sie Klimaaspekte, indem sie Unternehmen ausschliesst, deren Geschäftsmodell «hauptsächlich auf dem Abbau von Kohle» zur Energiegewinnung basiert, da in der Schweiz «ein breiter Konsens» für den Ausstieg aus der Kohle zur Energiegewinnung bestehe.

Inwieweit auch beim Fracking ein breiter Konsens besteht, ist ein interessanter Diskussionspunkt.

Der riesige Fussabdruck der Superreichen

Der ökologische Fussabdruck der Reichen und Superreichen beschleunigt nach Datenanalysen der Entwicklungsorganisation Oxfam die Erderwärmung in geradezu «obszöner Weise». Das reichste Prozent der Weltbevölkerung habe 2019 genauso viele klimaschädliche Treibhausgase verursacht wie die fünf Milliarden Menschen, die die ärmeren zwei Drittel ausmachen, heisst es in einem am Montag veröffentlichten Oxfam-Bericht.

Der Bericht mit dem Titel «Climate Equality: A Planet for the 99 Percent» soll auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, wonach der Treibhausgasausstoss der Menschen mit ihrem Einkommen und Vermögen steige. Gründe dafür seien unter anderem häufigere Flugreisen, grössere Häuser und insgesamt mehr klimaschädlicher Konsum – «im Extremfall» in Form von Luxusvillen, Megajachten und Privatjets.

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