Ariane de Rothschild
CEO Ariane de Rothschild und Jeffrey Epstein standen sich nahe – geschäftlich und privat. Jetzt hat sich die Genfer Bank in einem Statement zur «Situation» geäussert und zeigt sich bemüht, Kunden und Mitarbeitende zu beruhigen.
26. Februar 2026 • Beat Schmid

Der Name Ariane de Rothschild taucht 4504 Mal in der Datenbank «Epstein Files» auf. Aus dem umfangreichen Datenmaterial des amerikanischen Justizministeriums lässt sich rekonstruieren, wie nah sich die heutige CEO Ariane de Rothschild und der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gestanden haben müssen. Am Mittwoch hat die Genfer Privatbank Edmond de Rothschild reagiert und mitgeteilt, dass der Verwaltungsrat die Lage im Zusammenhang mit den Epstein-Enthüllungen «beobachten» werde.

«Der Verwaltungsrat, der die oberste Führung der Bank repräsentiert und von Yves Perrier präsidiert wird, hat sich so organisiert, dass er die Situation unabhängig überwacht – zusätzlich zu den Arbeiten und Analysen des Managements», erklärte die Bank in einer Stellungnahme. Seit der Veröffentlichung der Epstein-Dokumente habe der Verwaltungsrat «die notwendigen Massnahmen ergriffen, um die Interessen von Kunden, Mitarbeitenden und Aktionären zu schützen», hiess es weiter.

Zugleich bemühte sich das Institut, Kunden und Mitarbeitende hinsichtlich der finanziellen Stärke der Gruppe zu beruhigen. Gegenüber Reuters sagte ein Sprecher der Bank, Ariane de Rothschild habe diese Woche Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeitenden angeschrieben, um sie über die Stärke der Gruppe zu informieren. Zudem teilte die Bank am Mittwoch mit, sie habe im Jahr 2026 Nettozuflüsse von über 5 Milliarden Franken verzeichnet. Die Zuflüsse seien seit Januar «besonders stark» ausgefallen. Die Bank hat ihre Geschäftszahlen für 2025 noch nicht veröffentlicht.

Epstein, der Berater

De Rothschild, die durch ihre Heirat mit Benjamin de Rothschild im Jahr 1999 Teil des Genfer Strangs der zweigeteilten bekannten Bankiersfamilie wurde, ist seit 2023 CEO von Edmond de Rothschild. Ab 2013 war sie Chairwoman der Bank. Das Institut verwaltet Vermögen von 184 Milliarden Franken.

Aus den Epstein-Files geht hervor, dass de Rothschild vor Epsteins Verhaftung im Jahr 2019 über Jahre hinweg in engem Kontakt mit dem Sexualstraftäter stand. Die Beziehung der beiden ist allerdings bereits seit Jahren bekannt. Das Wall Street Journal berichtete im April 2023 in einer Recherche erstmals, dass sich Jeffrey Epstein und Ariane de Rothschild über ein Dutzend Mal getroffen haben.

Schon damals war bekannt, dass Epstein von de Rothschild als Berater engagiert wurde, um einen Verkauf der Bank auszuloten. In diesem Zusammenhang traf er sich zwei Mal mit dem damaligen Chef der Bank Julius Bär, Boris Collardi. Ariane de Rothschild suchte zudem den Rat von Epstein in persönlichen Belangen, etwa im Zusammenhang mit ihrem Ehemann Benjamin de Rothschild, der unter Drogenproblemen litt.

Zunächst persönliche Treffen dementiert

Breit thematisiert wurde die heikle Verbindung zwischen Epstein und de Rothschild allerdings erst letzten Monat, als das US-Justizministerium die Files über eine Datenbank einfacher zugänglich machte. Nach dem Tod von Epstein dementierte die Bank zunächst, dass es Treffen zwischen de Rothschild und dem Straftäter gegeben habe.

Später musste die Bank zurückkrebsen und erklärte, Epstein sei zwischen 2013 und 2019 ein geschäftlicher Bekannter von de Rothschild gewesen. Ariane de Rothschild habe keine Kenntnis von dessen Verhalten gehabt und «verurteilt dieses sowie die von ihm begangenen Verbrechen unmissverständlich».

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