Die Genfer Lytton SA soll beim beim Transit eines Öl-Supertankers durch die Strasse von Hormus ein gutes Geschäft gemacht haben. Dies berichtet Bloomberg unter Berufung auf anonyme Quellen. Konkret geht es um die Fahrt der Agios Fanourios I, die irakisches Rohöl nach Vietnam transportierte.
Der Supertanker mit knapp zwei Millionen Barrel Rohöl an Bord wurde zunächst von iranischen und später von US-Behörden gestoppt. Erst vor etwas mehr als einer Woche durfte das Schiff nach Intervention der vietnamesischen staatlichen Ölgesellschaft die amerikanische Seeblockade passieren.
Obwohl das Öl für die PetroVietnam Oil Corp. bestimmt gewesen sei, so Bloomberg, lag die Verantwortung für den Transport durch Hormus und die anschliessende Weiterfahrt bei Lytton. Der Genfer Händler und PetroVietnam lehnten Stellungnahmen gegenüber der Nachrichtenagentur ab.
Bruttogewinn von rund 60 Millionen Dollar
Das Geschäft soll sich gelohnt haben. Lytton soll das Öl im irakischen Hafen Basrah mit einem Abschlag von 18 Dollar pro Barrel gegenüber dem Referenzpreis gekauft haben. Angesichts der derzeit gezahlten Aufschläge für Öl ausserhalb des Persischen Golfs entspreche dies einem Bruttogewinn von rund 60 Millionen Dollar. Davon gehen allerdings noch die Transportkosten ab, die zuletzt exorbitant angestiegen sind.
Das historische Chaos, das die Schliessung der Strasse von Hormus angerichtet hat, beschert gewieften Händlern riesige Gewinnchancen. Die staatliche irakische Ölgesellschaft habe in diesem Monat Ladungen mit Abschlägen von bis zu 33 Dollar pro Barrel angeboten – an jeden Käufer, der bereit sei, das Öl innerhalb des Golfs zu übernehmen und die Ausfahrt zu wagen. Die Handelsmargen sollen bei 20 bis 30 Dollar pro Barrel liegen – verglichen mit normalerweise wenigen Cents. Pro Supertankerladung ergibt das einen Gewinn von 40 bis 60 Millionen Dollar.
Gemäss Handelsregister wurde die Lytton SA 2022 in Genf gegründet. Die aktuellen Verwaltungsräte sind seit 2024 im Amt. Es sind dies Hakim Darbouche, ein früherer Trader von Trafigura und der österreichischen OMV, sowie Jean-Julian Cantaloube, ein Finanzmanager, der bei verschiedenen Genfer Rohstoffhändlern als Finanzchef tätig war. Im Irak sei Lytton vor allem durch eine Vereinbarung zur Vermarktung von Ölprodukten aus der Taurus-Raffinerie in der kurdischen Region bekannt, schreibt Bloomberg.

