Finanzplatz
Der asiatische Stadtstaat will den Handel mit Goldbarren aufmischen, der bislang von London, New York und der Schweiz kontrolliert wird.
13. Juni 2026 • Beat Schmid

Singapur wird bis Ende Jahr ein Clearing-System für Gold einführen und zudem einen Verwahrungsdienst für Zentralbanken anbieten. Damit verfolgt der Stadtstaat das Ziel, sich als globales Handelszentrum für Edelmetalle zu etablieren. Mehrere internationale Banken, darunter JP Morgan, Deutsche Bank und DBS, werden sich an dem System beteiligen, wie die Behörden des Stadtstaates an einer Konferenz bekanntgaben.

«Wir wollen die etablierten Zentren des Goldhandels und der Liquidität nicht ersetzen», sagte Vizepremierminister Gan Kim Yong an einer Konferenz am Montag. «Stattdessen kann Singapur als vertrauenswürdiger Hub im globalen Gold-Ökosystem dienen – indem es die regionale Nachfrage mit globaler Liquidität verbindet und die Marktaktivität während der asiatischen Handelszeiten unterstützt.»

Gan Kim Yong steht auch an der Spitze der Monetary Authority of Singapore (MAS). Er sagte, dass der Clearing-Mechanismus voraussichtlich bis Ende dieses Jahres in Betrieb gehen werde. Später soll das Clearing-System mit dem Interbankenhandel verbunden werden. Zu den weiteren teilnehmenden Banken gehören OCBC und UOB aus Singapur sowie die chinesische Geschäftsbank ICBC und die südafrikanische Standard Bank.

Wettkampf mit Hongkong

Singapur und Hongkong liefern sich einen Wettkampf um die Krone im asiatischen Goldmarkt. Die Finanzplätze versuchen dabei, den etablierten Gold-Hubs Marktanteile streitig zu machen. Seit Jahrzehnten befinden sich der Handel, die Lagerung und die Raffinerie von Goldbarren in den Händen von London, New York und der Schweiz.

Die aufgeflammten geopolitischen Spannungen haben die Nachfrage nach Gold als sicherem Wertspeicher in unsicheren Zeiten zusätzlich angekurbelt. Dass sich nun auch die Singapurer Regierung direkt engagiert, ist neu. Bisher wurde der Aufbau einer Goldinfrastruktur vor allem von privaten Unternehmen vorangetrieben.

Die MAS will Tresoranlagen schaffen, damit andere Zentralbanken ihre Goldreserven im Stadtstaat lagern können. Dadurch werde Singapurs Position als Standort gestärkt, an dem Reservevermögen sicher verwahrt, aktiv verwaltet und während der asiatischen Handelszeiten mit Marktliquidität versorgt werden könne, sagte der Vizepremierminister.

«Der Goldmarkt funktioniert am besten, wenn Liquidität und Infrastruktur über Regionen hinweg miteinander verbunden sind», sagte Gan. «Mit einer etablierten Clearing-Infrastruktur und einem starken Marktökosystem kann Singapur einen nahtloseren globalen Markt über verschiedene Zeitzonen hinweg unterstützen.»

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