In Asien legten die Börsen am Donnerstag um 0,8 Prozent zu, nachdem bereits die Wall Street von Trumps Aussagen profitiert hatte – der S&P 500 gewann am Vortag 1,2 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass sich auch die europäischen Märkte erholen. Die Futures auf europäische Aktienindizes kletterten um 1,2 Prozent. Mit der Entspannung an den Aktienmärkten gab das Gold um 0,7 Prozent nach. Der Schweizer Franken, der in den letzten Tagen aufgrund seiner Safe-Haven-Funktion ebenfalls gefragt war, schwächte sich leicht ab.
Das Revival hat vor allem mit Trumps Spitzkehre in der Grönland-Frage zu tun. In seiner verstörenden Rede in Davos erklärte er, dass er keine Gewalt anwenden werde, um die arktische Insel unter US-Kontrolle zu bringen. Zudem sah er vorerst von neuen Zöllen gegen EU-Staaten ab, die seine Pläne im Norden nicht unterstützen. Er verwies dabei auf ein sogenanntes «Framework»-Abkommen im Zusammenhang mit Grönland.
Details zu diesem Rahmenwerk legte Trump nicht vor. Es bleibt unklar, was das Abkommen konkret beinhaltet. Dänemark hatte zuvor ausgeschlossen, über eine Abtretung der halbautonomen Insel an die USA zu verhandeln. Trump kündigte später an, die Einzelheiten bald zu veröffentlichen.
Die letzte Instanz, die Trump zur Vernunft bringt
Nach mehreren turbulenzen Trump-Tagen scheinen sich die Märkte allmählich wieder in Richtung courant normal zu bewegen: steigende Kurse, getragen von der Hoffnung auf eine breiter abgestützte Wachstumsbeschleunigung. Auch der Rückgang der Volatilität deutet auf eine spürbare Entspannung hin.
Wie schon vor einem Jahr, als Trump die Zölle überraschend aussetzte, scheint er auch diesmal auf die Bremse zu treten, sobald es an den Märkten zu grösseren Turbulenzen kommt. Möglicherweise haben ihn und seine Einflüsterer die Drohungen einzelner Gläubigerstaaten, sich von US-Staatsanleihen zu trennen, stärker beunruhigt als öffentlich eingeräumt.
Was das auch heisst: Das Vertrauen in den sogenannten «Trump Put» hat sich erneut gefestigt. Damit ist die Erwartung gemeint, dass der amerikanische Präsident bei markanten Kursverlusten zurückrudert. Vor den Finanzmärkten scheint er – bei aller Hybris – den Respekt noch nicht verloren zu haben. Sie sind die letzte Instanz, die ihn zur Vernunft bringt.

