Bald schon werden die Aktionäre über den Verkauf der Regiobank Männedorf an die Acrevis-Gruppe entscheiden. Dass die kleinste Bank kaum andere Optionen hatte, als sich in die Arme einer grösseren Bank zu werfen, zeigt ein Blick in den am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht. Die Bank weist zwar einen hauchdünnen Gewinn von 96’000 Franken aus. Doch dieser kommt nur zustande, weil die Bank Ausgaben für den neuen Hauptsitz in der Bilanz aktivierte, sich aus den Bankreserven bediente und andere Bilanzmassnahmen ergriff.
Operativ hat die Bank wie schon 2024 einen Verlust geschrieben. Dieser ist im abgelaufenen Geschäftsjahr sogar noch deutlich grösser ausgefallen. Der sogenannte Geschäftserfolg beträgt minus 1,03 Millionen Franken, gegenüber minus 158’000 Franken im Vorjahr. Die Erträge sind deutlich geschrumpft: Der Nettozinsertrag reduzierte sich auf 3,2 Millionen Franken, gegenüber 4,5 Millionen im Vorjahr. Gestiegene Gebühreneinnahmen konnten diesen Einbruch bei weitem nicht kompensieren.
Die Kosten dagegen stiegen erneut an. Der Personal- und Sachaufwand legte um 8 Prozent auf 5,5 Millionen Franken zu. Das Ergebnis wäre noch schlechter, wenn die Bank unter anderem keine Finanzanlagen abgestossen hätte. Insgesamt schraubte die Bank den «anderen ordentlichen Ertrag» auf 627’000 Franken hoch, von 149’000 Franken im Vorjahr. Die Bank weist zwar keine Cost-Income-Ratio aus – berechnet man sie selbst, kommt man auf unhaltbare 106 Prozent.
Kunden ziehen Gelder ab
Die Kunden haben wie schon in den letzten Jahren reagiert und Gelder abgezogen. Die Kundeneinlagen sanken von 275 auf 266 Millionen Franken. Auch die Hypothekarforderungen reduzierten sich leicht. Die gesamten Kundengelder verringerten sich um 4,1 Prozent auf 289,2 Millionen Franken, von 301,6 Millionen im Vorjahr.
Wie stark das Management der Bank am Rudern ist, kann man auch im Geschäftsbericht nachlesen. So wird der Anstieg des Sachaufwands unter anderem mit «strategischen Projekten» erklärt, etwa zu Compliance-Anpassungen und «Restrukturierungsmassnahmen», die «verstärkt externe Beratungsleistungen notwendig gemacht» hätten. «Diese Investitionen in rechtliche und fachliche Expertise dienen der nachhaltigen Sicherung unserer Geschäftsaktivitäten.»
In ihrem Brief an die Aktionäre sprechen Verwaltungsratspräsident Thomas Stäheli und CEO André Häberling von einem «ertragsseitig sehr anspruchsvollen» Jahr. Im Ausblick für 2026 schreiben sie: «Als substanzstarke Regionalbank blicken wir zuversichtlich in die Zukunft und sehen uns gut auf künftige Veränderungen vorbereitet.» Zum Ende der Eigenständigkeit der früheren Gewerbebank Männedorf nach bald 125 Jahren schreiben sie nichts.
Die Generalversammlung findet am 26. März statt. Dann müssen die Aktionäre über den Verkauf der Bank an die Ostschweizer Acrevis-Gruppe befinden. Es dürfte zu hitzigen Diskussionen kommen. In der Seegemeinde brodelt es.

