Digital Assets Briefing
Meta will seinen drei Milliarden Nutzern die Zahlung mit Stablecoins ermöglichen. Die Lehren aus dem Libra-Desaster wurden gezogen. +++ Dazu: Buterin macht Ethereum «Quantensicher» +++ Strategy ändert Strategie nicht.
27. Februar 2026 • Werner Grundlehner

Meta (ehemals Facebook) startet den zweiten Versuch, ein weltweites Zahlungssystem einzuführen, mit dem die drei Milliarden Nutzer der unternehmenseigenen Social-Media-Kanäle WhatsApp, Instagram und Facebook Transaktionen ausführen könnten. Die Abwicklung soll über Stablecoins erfolgen – was vor allem internationale Zahlungen drastisch beschleunigen und vergünstigen würde.



Und in den Short Cuts diese Woche:
• Buterin macht Ethereum «Quantensicher»
Strategy ändert Strategie nicht


Der Krypto-Mediendienst CoinDesk berichtet, dass Meta ein Request for Proposal (RFP) an Drittanbieter verschickt habe, um die technische Abwicklung zu übernehmen. Mehrere unabhängige Quellen bestätigten diese Pläne. Stripe gilt dabei als wahrscheinlichster Partner für den Pilotbetrieb. Der Zahlungsabwickler hat im Februar des vergangenen Jahres das Stablecoin-Infrastrukturunternehmen Bridge für über 1,1 Milliarde Dollar akquiriert. Parallel zur Stablecoin-Integration entwickelt Meta ein neues Wallet.

Zahlreiche Wallet-Tests

Gemäss Medienberichten soll dieses digitale Stablecoin-Wallet Transaktionen mit gängigen Dollar-Stablecoins wie Tether und US-Dollar-Coin (USDC) ermöglichen. Die Integration von Stablecoin-Zahlungen wird Metas kontinuierliches Engagement im Bereich Peer-to-Peer-Zahlungen unterstützen. Der Tech-Gigant unterstützt bereits digitale Geldbörsen wie PayPal über Meta Pay. Das Unternehmen hat ausserdem Krypto-Transaktionen über Instagram mit der Integration der digitalen Web3-Wallets MetaMask und Coinbase Wallet getestet.

Stripe hat Meta bereits in der Vergangenheit seine Zahlungsabwicklungsdienste zur Verfügung gestellt und 2023 die Zahlungsakzeptanz auf WhatsApp ermöglicht, damit Unternehmen Zahlungen über die Messaging-Plattform abwickeln können. Die Beziehungen zwischen den beiden Unternehmen wurden noch enger, als Patrick Collison, CEO von Stripe, im April 2025 in den Verwaltungsrat von Meta berufen wurde.

Kein eigener Stablecoin

Andy Stone, Vice President of Communications bei Meta, betonte in einem Beitrag auf X – unmittelbar nach diesen Medienmeldungen –, dass das Unternehmen keinen eigenen Meta-Stablecoin einführen werde. Meta wolle Stablecoins von Drittanbietern unterstützen, um Stablecoin-Zahlungen auf seinen Social-Media-Plattformen zu ermöglichen.

Das Bigtech-Unternehmen hat seit langem Interesse daran, Stablecoin-Zahlungen für seine Milliarden Social-Media-Nutzer weltweit einzuführen. Der erste Vorstoss ging jedoch schief. Meta verfolgt nun einen anderen Ansatz. Das wiederauflebende Interesse von Zuckerberg und Meta an Stablecoins folgt sieben Jahr nach dem Zusammenbruch ihres eigenen digitalen Währungsprojekts Libra, das später in Diem umbenannt wurde.

Im Jahr 2019 kündigte das Technologie- und Social-Media-Unternehmen, damals noch unter dem Namen Facebook, die Einführung einer Peer-to-Peer-Digitalwährung mit dem Namen Libra an, die für interne Zahlungen auf den eigenen Social-Media-Plattformen konzipiert war. Die digitale Währung sollte im Verhältnis 1:1 mit Fiat-Währungen wie dem Dollar und dem Euro gedeckt sein und in der digitalen Geldbörse Novi gespeichert werden.

Widerstand von Regierungen, Politik und Notenbanken

Meta wollte auch damals mit Libra seiner milliardenstarken Social-Media-Nutzerbasis sofortige, kostengünstigere Zahlungen ermöglichen, die so einfach sind wie das Versenden von Nachrichten an andere Nutzer innerhalb des Social-Media-Netzwerks. Libra stiess jedoch mit Einführung auf heftigen Widerstand von Regierungen, Zentralbanken und Politikern weltweit. Zuerst wurden einige Anpassungen vorgenommen und dann das Projekt ganz eingestellt.

Diese Initiative von Meta und Partnern zeigt, dass sich die Zahlungsabwicklungsinfrastruktur in Richtung Blockchain-basierte Zahlungswege bewegt. Diese sind viel schneller als herkömmliche und können nahtlos über Social-Media-Apps genutzt werden, was für hohe Anwenderfreundlichkeit sorgt. Stablecoins werden für grenzüberschreitende Zahlungen und eingebetteten Handel immer praktikabler.

Weniger Angriffsfläche

Facebook respektive Meta hat gelernt. Das ursprüngliche Konzept von Libra bestand darin, sich an einen Korb von Staatswährungen zu binden, was bedeutete, dass es nicht nur die Zahlungssysteme verschiedener Länder, sondern auch die Währungshoheit selbst in Frage stellte. Während der Anhörung im US-Kongress zu Libra stellten die Gesetzgeber Zuckerberg wiederholt die eine entscheidende Frage: Wollen Sie wirklich den Dollar ersetzen? Zuckerberg konnte die Zweifel nicht ausräumen. Mit dem neuen Konzept wird nur die zugrundeliegende Performance von Meta geliefert; das Unternehmen emittiert keine eigene Währung. Verschickt werden Dollar (als Stablecoins) auf der Stablecoin-Infrastruktur anderer Anbieter. Meta steht nicht mehr in der «Schusslinie».

Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer systematischen Umgestaltung der Kryptowährungsregulierung. Die Verabschiedung des Genius Act bedeutet, dass Stablecoin-Emittenten zum ersten Mal eine klare rechtliche Identität erhalten. Von Mindestreserveanforderungen bis hin zu Offenlegungsstandards, vom Verbraucherschutz bis zum Marktzugang entsteht ein vollständiger Regulierungsrahmen. Der Kern dieser Veränderung besteht darin, dass die Regulierungsbehörden nicht mehr versuchen, etwas zu blockieren, sondern damit beginnen, die Startbahn zu markieren. Sobald die Regeln klar sind, wird ein konformer Betrieb möglich. Die Entscheidung von Meta, zum jetzigen Zeitpunkt wieder einzusteigen, ist kein Zufall.

Für ein Unternehmen wie Meta, das soziale Transaktionen in dieser Grössenordnung abwickelt, bieten an den Dollar gekoppelte Stablecoins Geschwindigkeits- und Kostenvorteile, mit denen bisherige Systeme nur schwer mithalten können. Entscheidend für den Erfolg ist jedoch Umsetzung der Wallet-Infrastruktur und die Compliance-Architektur. Als grosse Frage bleibt, ob die Drittpartner wie Stripe und Bridge eine Echtzeitabwicklung mit der erforderlichen Ausfallsicherheit für diese Transaktionsvolumen gewährleisten können.




Short cuts: News aus der digitalen Welt


Buterin macht Ethereum «Quantensicher»

Der Mitbegründer von Ethereum, Vitalik Buterin, hat am Donnerstag einen Fahrplan zum Schutz der Blockchain vor den langfristigen Risiken durch Quantencomputer vorgestellt – kurz nachdem die Ethereum Foundation ein spezielles Post-Quanten-Forschungsteam zur Untersuchung dieses Themas eingerichtet hatte. Zwar gibt es noch keine Quantencomputer, die moderne Kryptografie knacken können, doch könnten sie eines Tages die digitalen Signaturen und Kryptographie-Systeme brechen, die Ethereum sichern. In einem Beitrag auf X identifizierte Buterin vier wichtige Schwachstellen: Validator-Signaturen, die im Konsens verwendet werden, das Datenverfügbarkeitssystem von Ethereum, alltägliche Wallet-Signaturen und bestimmte Zero-Knowledge-Proofs, die von Anwendungen und Layer-2-Netzwerken verwendet werden. Buterin stellte auch Strategien vor, um diese Schwachstellen zu «reparieren».


Strategy ändert Strategie nicht

Ist es grenzenloses Vertrauen oder Leichtsinn? Michael Saylor kauft in der Kursschwäche weiter Bitcoins und stockt seine Bestände auf. Zwischen dem 17. und 22. Februar erwarb sein Unternehmen Strategy weitere 592 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Kaufpreis von 67’286 Dollar. Finanziert wurde die Transaktion durch den Verkauf eigener Aktien. Laut Firmenunterlagen stehen im Rahmen des aktuellen Verkaufsprogramms noch Aktien im Wert von rund 7,8 Milliarden Dollar zur Verfügung. Strategy hält mittlerweile insgesamt 717’722 Bitcoins mit einem Wert von fast 50 Milliarden Dollar. Die gesamten Anschaffungskosten belaufen sich jedoch auf fast 55 Milliarden – daraus entsteht ein Buchverlust. Ein gewichtiger Teil der Bitcoins wurde zudem mit Fremdkapital erworben. Das ist eine Gefahr für Saylor und den Gesamtmarkt. Würde der Bitcoin massiv weiter fallen, müsste Strategy früher oder später verkaufen – was den Markt noch stärker belasten würde. Davon geht Saylor nicht aus, auf der Plattform X kündigte er an, der Frühling für den Bitcoin stehe kurz bevor.

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