Governance
Trotz eines strukturellen Interessenkonflikts und Kritik aus der Politik soll die Post-Vizepräsidentin in den Verwaltungsrat der Innerschweizer Kantonalbank gewählt werden.
20. März 2026 • Beat Schmid

Die Luzerner Kantonalbank zieht es durch: Sie hält an der umstrittenen Wahl von Bernadette Koch in den Verwaltungsrat fest. Das geht aus den am Freitag veröffentlichten Traktanden zur Generalversammlung hervor.

«Die eidg. dipl. Wirtschaftsprüferin Bernadette Koch soll das Gremium mit Blick auf die zunehmenden regulatorischen Anforderungen gezielt um ausgewiesene Audit-Kompetenzen ergänzen und so die Aufsicht und Risikokontrolle stärken», heisst es. Gleichzeitig weist die Bank darauf hin, dass bei ihrer Wahl der Frauenanteil im Verwaltungsrat neu 44 Prozent beträgt – statt bisher 37,5 Prozent.

Die Kantonalbank schlägt damit Bedenken hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit in den Wind. Koch ist in verschiedenen Verwaltungsräten aktiv. Unter anderem ist die 57-Jährige Vizepräsidentin des Post-Verwaltungsrats und sitzt als Vertreterin der Konzernmutter im Verwaltungsrat von Postfinance. Weitere Mandate hält sie bei Geberit und Mobimo.

«Dienerin zweier Herren»

Das neue Mandat ist heikel. Zwar zieht sie sich aus dem Verwaltungsrat von Postfinance zurück und gibt auch den Vorsitz des Audit- und Risikoausschusses des Postkonzerns ab. Doch Koch bleibt Vizepräsidentin des «gelben Riesen».

Damit manövriert sie sich in einen kaum auflösbaren Interessenkonflikt. Die Post setzt sich für die Aufhebung des Kreditverbots für PostFinance ein, während sich die Kantonalbanken vehement gegen den Einstieg der Posttochter ins Kreditgeschäft wehren. Für Governance-Expertin Monika Roth ist die Wahl ein No-Go: «Es besteht für mich überhaupt kein Zweifel daran, dass Bernadette Koch nicht gleichzeitig Dienerin dieser beiden Herren sein kann – es geht nur das eine Mandat oder das andere.»

Deutliche Erhöhung der VR-Honorare

In der Luzerner Politik kam es zu einem Vorstoss wegen der Personalie. Politiker von links bis rechts sprachen von einer «konfliktgeladenen Konstellation». Der Regierungsrat, der als Eigner in der Hauptverantwortung steht, verwies lediglich darauf, dass der LUKB-Verwaltungsrat zum Schluss gekommen sei, es liege kein «permanenter Interessenkonflikt von grundsätzlicher Bedeutung» vor.

Dass auch die Finma der Wahl offenbar ihren Segen gegeben hat, erstaunt. Allerdings tendiert die Behörde auch bei offensichtlichen Interessenkonflikten zu einer laxen Haltung. So erlaubte sie es, dass die damalige Ehefrau von Pierin Vincenz Rechtschefin der Genossenschaftsbank werden konnte. Auch damals begnügte man sich damit, dass die Bank klare Ausstandsregeln definiert hatte. Solange diese eingehalten würden, bestehe kein Problem. Das VR-Honorar beträgt gut 100’000 Franken – die Vergütungen wurden auf dieses Jahr um etwa 15 Prozent erhöht.

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