Private Banking
Französische Behörden haben die Büros der Genfer Privatbank in Paris durchsucht. Sie ermitteln gegen einen früheren Bankangestellten und UN-Diplomaten.
25. März 2026 • Beat Schmid

Letzten Freitag stattete die französische Finanzstaatsanwaltschaft einen Besuch in den Pariser Büros der Privatbank Edmond de Rothschild ab. Die Durchsuchung erfolgte im Zusammenhang mit einer Untersuchung wegen Bestechung von Amtsträgern. Im Fokus steht der französische Diplomat Fabrice Aidan. Dieser wird in den Epstein Files über 200 Mal erwähnt. Die Razzia wurde offenbar in Anwesenheit von Ariane de Rothschild, der Chefin der Bank, durchgeführt, wie die französische Agentur AFP berichtete.

Fabrice Aidan arbeitete für die Privatbank, bevor er zum Energieunternehmen Engie wechselte, wo er dann abgesetzt wurde, als seine Verbindungen zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt wurden. Aus den offengelegten E-Mails geht hervor, dass er vertrauliche UN-Dokumente an Epstein weitergegeben haben soll; zudem organisierte er Treffen von hochrangigen Diplomaten mit Epstein und dessen Bekannten. Zudem half er bei der Vermittlung von Visa.

Der Name Ariane de Rothschild taucht in der Epstein-Datenbank auf. Aus dem umfangreichen Datenmaterial des amerikanischen Justizministeriums – insgesamt taucht ihr Name 4504 Mal auf – lässt sich rekonstruieren, wie nah sich de Rothschild und der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gestanden haben müssen. Die Bankerin, die durch ihre Heirat mit Benjamin de Rothschild im Jahr 1999 Teil des Genfer Strangs der zweigeteilten bekannten Bankiersfamilie wurde, ist seit 2023 CEO von Edmond de Rothschild. Ab 2013 war sie Chairwoman der Bank. Das Institut verwaltet Vermögen von 184 Milliarden Franken.

Epstein als Berater

Aus den Epstein-Files geht hervor, dass de Rothschild vor Epsteins Verhaftung im Jahr 2019 über Jahre hinweg in engem Kontakt mit dem Sexualstraftäter stand. Bekannt ist, dass Epstein von de Rothschild als Berater engagiert wurde, um einen Verkauf der Bank auszuloten. In diesem Zusammenhang traf er sich zweimal mit dem damaligen Chef der Bank Julius Bär, Boris Collardi. Ariane de Rothschild suchte zudem den Rat von Epstein in persönlichen Belangen, etwa im Zusammenhang mit ihrem Ehemann Benjamin de Rothschild, der unter Drogenproblemen litt.

Nach dem Tod von Epstein dementierte die Bank zunächst, dass es Treffen zwischen de Rothschild und dem Straftäter gegeben habe. Später musste die Bank zurückkrebsen und erklärte, Epstein sei zwischen 2013 und 2019 ein geschäftlicher Bekannter von de Rothschild gewesen. Ariane de Rothschild habe keine Kenntnis von dessen Verhalten gehabt und «verurteilt dieses sowie die von ihm begangenen Verbrechen unmissverständlich».