Am Montag gab der CEO der UBS ein Interview auf Bloomberg TV. Im knapp siebenminütigen Gespräch wurde er am Schluss zu seiner Nachfolge befragt. Dabei sagte Ermotti den Satz: «Succession is not a topic for the moment». Damit macht er deutlich, was sich bereits seit einiger Zeit innerhalb der Bank abzeichnet: Der CEO dürfte länger an der Spitze bleiben als ursprünglich geplant.
Dafür dürfte es mehrere Gründe geben. Die zwei wichtigsten: Sollte er in den Verwaltungsrat wechseln, müsste er eine längere Cooling-off-Periode von mindestens einem Jahr durchlaufen. Das ist zwar keine regulatorische Vorgabe, doch darauf pochen die grössten Investoren. Tritt er Ende dieses Jahres oder Anfang 2027 zurück, könnte Ermotti während einer entscheidenden Phase der Gesetzgebung womöglich an der Seitenlinie stehen. Das möchten weder er noch offenbar der Verwaltungsrat.
Der zweite Grund hängt mit der Kandidatenfeld zusammen. Die zusätzliche Zeit verschafft der UBS Spielraum, die Kandidatensuche neu zu ordnen. Seit Chairman Colm Kelleher die Nachfolge an einer Konferenz in London Ende 2023 selbst thematisiert hatte, kursieren weitgehend die gleichen internen Namen: die beiden Co-Wealth-Management-Chefs Rob Karofsky und Iqbal Khan sowie COO und Europa-Chefin Bea Martin. Neu zum Kreis der möglichen Kandidaten zählt Aleksandar Ivanovic, Chef der Asset-Management-Sparte.
Wo sind die externen Topshots?
Doch wie stark sind diese Kandidaten tatsächlich? Einige der Genannten sind seit vielen Jahren in der Bank tätig. Schaut man auf die Breite der Erfahrungen, kommt eigentlich nur Rob Karofsky für den CEO-Posten infrage. Er hätte beste Voraussetzungen, doch er hat einen amerikanischen Pass, und zudem ist fraglich, ob der frühere IB-Chef wirklich Lust verspürt, von New York in die Schweiz zu ziehen und «sich mit dem Bundesrat und der Finma herumzuschlagen», wie ein Insider sagt.
Was am Nachfolgeprozess auffällt: Es fehlen bisher Führungskräfte mit externem Profil. Ermotti und Kelleher haben es in den vergangenen drei Jahren verpasst, Topmanager von anderen Instituten zur UBS zu holen und gezielt als potenzielle Nachfolger aufzubauen. Manager wie Ermotti selbst – einst als Nummer zwei von Unicredit von Oswald Grübel nach Zürich geholt – sind derzeit nicht in Sicht. Seit 2023 gab es keine namhafte Ernennung mit klarem CEO-Potenzial.
Wo ist die mutige Einwechslung? Etwa von Managern mit dem Profil eines Christian Sewing, der die Deutsche Bank wieder auf die Erfolgsspur zurückgebracht hat? Als Konzernchef der UBS könnte er deutlich mehr verdienen als in Deutschland – nach Steuern sowieso.
Zudem hat es die Bankführung verpasst, ausgewählten früheren Topkadern der Credit Suisse eine Chance zu geben. Gemeint sind nicht jene, die über Jahre zum Niedergang beigetragen haben, sondern unverbrauchte Führungskräfte, die erst später dazugestossen sind – etwa Finanzchef Dixit Joshi oder CS-COO Francesca McDonagh, die zuvor CEO der Bank of Ireland war.
«Verfrüht, über den Zeitpunkt seines Rücktritts zu spekulieren»
Für manche Beobachter erinnert der aktuelle Nachfolgeprozess an die letzte Nachfolge vor einigen Jahren. Schon damals war Sergio Ermotti für seine eigene Nachfolgeregelung mitverantwortlich. Mangels überzeugender interner Kandidaten setzte die Bank damals auf den externen Manager Ralph Hamers. Er wurde vom damaligen Chairman Axel Weber von ING geholt. Mit dem Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats zu Colm Kelleher verlor Hamers jedoch rasch an Rückhalt.
Ein UBS-Sprecher sagt zur Nachfolge: «Wie wir bereits mehrfach gesagt haben, wird Sergio Ermotti mindestens bis Anfang 2027 Group CEO bleiben. Da die Integration wie geplant erst Ende 2026 weitgehend abgeschlossen sein wird und wichtige Arbeiten bevorstehen, um die Bank auf die nächste Phase ihrer Strategie und ihres Wachstumskurses vorzubereiten, ist es verfrüht, über den Zeitpunkt seines Rücktritts zu spekulieren.»
Und zu potenziellen Kandidaten sagt der Sprecher: «Wenn es an der Zeit ist, über einen Nachfolger zu entscheiden, kann der Verwaltungsrat auf eine Reihe starker interner Kandidaten zurückgreifen, wird aber selbstverständlich seiner treuhänderischen Pflicht nachkommen und auch externe Kandidaten prüfen.»

