Grossbanken
Der KI-Boom lässt die Transaktionsmaschinen von JP Morgan, Goldman Sachs und Co. auf Hochtouren laufen – allerdings wächst die Sorge über den steigenden Einsatz von Krediten.
15. Juli 2026 • Beat Schmid

Der phänomenale Boom um die künstliche Intelligenz hat die Gewinne der grossen Wall-Street-Banken in neue Sphären hochgeschraubt. JPMorgan-Chef Jamie Dimon bezeichnete das Marktumfeld als fast so gut, «wie es überhaupt geht».

Besonders der Handel mit Aktien schenkte ein. JP Morgan, Goldman Sachs, Citigroup und Bank of America erzielten in diesem Bereich kumuliert Erträge von 19,3 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 72 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über alle Geschäftsbereiche hinweg erwirtschafteten die vier Riesen einen Nettogewinn von 42,7 Milliarden Dollar.

Der Ertrags- und Gewinnschub wird von den Entwicklungen rund um die künstliche Intelligenz getrieben. Dabei geht es nicht primär um Erträge, die Banken direkt mit KI-Firmen erzielt haben, etwa durch den Blockbuster-Börsengang von SpaceX. Die Wall-Street-Banken erzielten Gebühreneinnahmen von insgesamt rund 500 Millionen Dollar. Goldman Sachs und Morgan Stanley verdienten jeweils rund 100 Millionen Dollar, JP Morgan, Citigroup und Bank of America jeweils rund 75 Millionen Dollar.

Doch richtig durchgeschlagen haben die heftigen Kursschwankungen, die die KI-Revolution an den Märkten ausgelöst hat. Sie sind das Elixier, das transaktionsabhängige Einnahmen antreibt. Hinzu kamen im zweiten Quartal Anpassungen in den Indizes, die ebenfalls die Transaktionsmaschinen auf Hochtouren laufen liessen.

«Ein Umfeld, das kaum besser sein könnte»

«Wir nähern uns einem Umfeld, das kaum besser sein könnte. Wir wissen nur nicht, wie lange das anhält», sagte etwa Jamie Dimon. Seine Bank erwirtschaftete einen Rekordreingewinn von 21,2 Milliarden Dollar im zweiten Quartal. Auch die anderen Wall-Street-Banken zeigten Spitzenresultate. Goldman Sachs meldete den höchsten Quartalsgewinn seit fünf Jahren. Die Bank übertraf im Aktienhandel die Ertragsprognosen der Analysten um mehr als zwei Milliarden Dollar.

Auch die Bank of America erreichte mit 3,6 Milliarden Dollar einen Rekord im Aktienhandel. Das entspricht einem Anstieg von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Citigroup, deren Stärke traditionell im Anleihehandel liegt, steigerte ihre Erträge im Aktienhandel um 45 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar.

UBS über 43,8 Franken

Die Rekordergebnisse liessen die Aktienkurse hochschiessen – auch diesseits des Atlantiks. Der Kurs der UBS-Aktien machte kurz nach Bekanntgabe der Ergebnisse einen Sprung nach oben. Um halb vier Uhr legten die Titel stark zu. Bei Börsenschluss betrug das Plus 3,74 Prozent. Die Aktien handeln nun bei 43,8 Franken – ein neuer Rekordwert seit der Finanzkrise. Zuletzt handelte die UBS Anfang 2008 auf diesem Niveau. Die UBS legt ihre Zahlen Ende Monat vor.

Die Kurssteigerungen deuten darauf hin, dass die Anleger davon ausgehen, dass die KI-Party noch lange weitergehen wird. Das wird gestützt von euphorischen Einschätzungen etwa von Goldman-Chef David Solomon. Er glaubt, dass die weltweit erwarteten Billioneninvestitionen in künstliche Intelligenz das Investmentbanking noch über Jahre hinweg stützen werden. «Der Ausbau der KI-Infrastruktur steht erst am Anfang. Wir sind überzeugt, dass dieser mehrjährige Investitionszyklus weiterhin zu einer hohen Zahl strategischer Transaktionen, Finanzierungen und Kapitalmarktaktivitäten führen wird», sagte Solomon.

Doch es gibt auch Risiken und Warner, was bei diesen Aktienhöchstständen auch nicht verwunderlich ist. Anlass zur Sorge bereitet etwa der zunehmende Einsatz von Fremdkapital, um den Boom zu stützen. Das sieht man auch in den Zahlen der Wall-Street-Banken, zum Beispiel im sogenannten Prime-Brokerage-Geschäft. Goldman Sachs hat die Erträge im Geschäft mit der Finanzierung von Hedgefonds auf 3,3 Milliarden Dollar verdoppelt, unter anderem mit einem Ausbau dieses Bereichs in Asien. Zudem setzten vermehrt Privatanleger auf riskante Instrumente wie gehebelte ETFs.

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