Nazi-Hearing im US Senat
Rechtschefin Barbara Levy und USA-Chef Rob Karofsky mussten gestern vor Vertretern des US Senats aussagen. Der Bank wird vorgeworfen, die Herausgabe von Unterlagen verweigert zu haben.
4. Februar 2026 • Beat Schmid

Phasenweise wirkte es wie eine inszenierte Tribunal-Komödie: das Hearing im US-Senat, an dem am Dienstag zwei Mitglieder der UBS-Konzernleitung Red und Antwort stehen mussten. Rechtschefin Barbara Levy und USA-Chef Rob Karofsky waren als Zeugen geladen – im Zusammenhang mit mutmasslichen Verbindungen der früheren Credit Suisse zu Konten aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Der zentrale Vorwurf: UBS verweigere die Herausgabe von mehr als 150 Dokumenten, die ein externer Ermittler angefordert hat. Diese Unterlagen könnten Aufschluss über Credit-Suisse-Konten mit Bezug zu Nazi-Deutschland geben. Entsprechend scharf fiel der Ton im Justizausschuss des US-Senats aus.

«Das Verhalten der UBS ist absurd und eine historische Schande, die dieses Hearing überdauern wird», sagte Ausschusspräsident Chuck Grassley. Die Senatorinnen und Senatoren nahmen die UBS-Vertreter in die Mangel und warfen der Bank mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. UBS ist seit der Übernahme Eigentümerin der Credit Suisse.

«Ins Herz der Untersuchung»

Die Bank argumentiert, dass der Vergleich von 1998 allfällige spätere Ansprüche oder neue Enthüllungen abdecke. Gleichzeitig habe man zugesichert, die laufenden Untersuchungen zu unterstützen und sämtliches verfügbares Material offenzulegen. Die Bank ist deshalb zurückhaltend, weil die verlangten Unterlagen dazu führen könnten, dass die Gegenseite diese nutzt, den historischen Vergleich neu zu verhandeln.

Neil Barofsky, der von UBS eingesetzte unabhängige Ombudsmann, sagte im Hearing, die Kooperation sei Ende letzten Jahres ins Stocken geraten, nachdem UBS die Herausgabe bestimmter Dokumente aus der Zeit des Vergleichs in den 1990er-Jahren verweigert habe. Diese Unterlagen gingen angeblich «ins Herz der Untersuchung», so Barofsky. Bisher hat Barofsky kaum verwertbare Beweise für Konten mit Nazi-Bezug gefunden.

Aktivisten des Simon Wiesenthal Center fordern eine erneute Aufarbeitung jener Konten, deren Details ihrer Ansicht nach in den Untersuchungen vor dem historischen Vergleich von 1998 nicht vollständig offengelegt wurden. Damals einigten sich Schweizer Banken auf Zahlungen von insgesamt 1,25 Milliarden Dollar für den Umgang mit Vermögenswerten von Holocaust-Opfern. Ronald Lauder, Präsident von World Jewish Congress, sagte letzten Sommer in dieser Sache: «Wir haben wahrscheinlich 5 bis 10 Milliarden Dollar auf dem Tisch liegen lassen.»

Die Aufzeichnung des Hearings ist über diesen Link abrufbar.

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