Mit «Dear Jeffrey» beginnt eines der E-Mails eines früheren Managing Directors der Valartis Bank in Genf. Der Berater machte den wegen Pädophilie verurteilten Sexualstrafverbrecher auf eine rare Investmentmöglichkeit in China aufmerksam und leitete ihm streng vertrauliche Dokumente der Credit Suisse zu einem Projekt im Energiebereich weiter.
Die Kundenbeziehung mit Epsteins Financial Trust Company führte die Bank von 2010 bis 2012. Dies berichtete die «Finanz und Wirtschaft» (Abo), die sich auf Dokumente und E-Mails abstützt, welche das US-Justizministerium veröffentlichte. Die Financial Trust Company hatte ihren Sitz auf den British Virgin Islands. Hinter der Struktur standen Jeffrey Epstein sowie Darren Indyke, der viele Jahre lang Epsteins Anwalt war.
Epstein wurde 2008 erstmals in Florida wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt. 2019 nahm die US-Justiz erneut Ermittlungen auf, Epstein wurde inhaftiert, später starb er in seiner Gefängniszelle.
Epstein hielt Anteile an einem ZKB-Gold-ETF
Laut FuW hielt die Bankbeziehung von Epstein zu Valartis vermutlich deshalb nicht länger, weil sein Kontakt bei Valartis die Bank bald verliess. Im Mai 2011 schreibt dieser an Epstein: «Lieber Jeffrey, ich werde Valartis Ende des Monats verlassen und benötige eine Vollmacht für Financial Trust, um die Nachverfolgung und weitere Verwaltung des Kontos sicherstellen zu können.»
Dutzende E-Mails, Telefonate und Treffen in Genf zeugen von einem engen Austausch. Anfang 2012 gibt Epstein den Auftrag, die Gelder vom Valartis-Konto abzuziehen. «Geben Sie die Anweisung, alles sorgfältig zu liquidieren, aber bis zum Ende der Woche», schreibt er einem seiner Mitarbeiter. Daraufhin bestätigt eine Mitarbeiterin von Valartis, dass alle Positionen verkauft würden, darunter unter anderem 17’000 Aktien des Schweizer Biotech-Unternehmens Actelion oder 200 Anteile an einem ZKB-Gold-ETF.
Die Kundenbeziehung zu Valartis ist eine von vielen Verbindungen zum Schweizer Finanzplatz und insbesondere zu Genf. Jeffrey Epstein war unter anderem eng verbunden mit Ariane de Rothschild von der Bank Edmond de Rothschild. Er half der Bank beim DoJ-Settlement und streckte die Fühler nach Julius Bär aus. Er traf sich mit dem damaligen CEO Boris Collardi, dem er einen Deal mit Edmond de Rothschild schmackhaft machen wollte. Die UBS wiederum unterhielt eine Kundenbeziehung zu Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell. Die Grossbank soll bis mindestens 2019 Millionen für sie verwaltet haben.

