An anderen Handelsplätzen gibt es gleichgewichtete Leitindizes schon lange. Jetzt zieht die SIX in der Schweiz nach und lanciert einen Konkurrenzindex zum Swiss Market Index. Der SMI Equal Weight bildet wie sein grosser Bruder die 20 grössten börsenkotierten Schweizer Unternehmen ab. Nur macht jeder Titel fünf Prozent aus. Das Rebalancing findet vierteljährlich statt.
Im Gegensatz dazu sind die Firmen im Original-Leitindex nach Marktkapitalisierung gewichtet. Das bedeutet: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr Gewicht hat es im SMI. Das ist der Grund, warum Nestlé, Novartis und Roche den Index stark dominieren. Die drei Titel machen knapp 50 Prozent der Gewichtung aus.
Vorteile
Der Ansatz der gleichmässigen Gewichtung sei sowohl in der Index- als auch in der Fondsmanagementbranche als Instrument zur Minderung des Konzentrationsrisikos weit verbreitet, begründet die SIX den Schritt. Unbestritten ist, dass der gleichgewichtete Ansatz die Diversifikation erhöht, da die Dominanz einzelner Schwergewichte deutlich reduziert wird. Dadurch bildet der Index die Breite des Schweizer Aktienmarkts realistischer ab und gibt mittelgrossen Unternehmen ein grösseres Gewicht.
Für Anleger entsteht dadurch ein ausgewogeneres Exposure, das weniger von defensiven Branchen abhängig ist. Gleichzeitig führt die Gleichgewichtung zu einer stärkeren Partizipation an konjunkturellen Aufschwüngen, da zyklischere Titel stärker ins Gewicht fallen. Der SMI Equal Weight ist auch «schweizerischer», da Schwergewichte wie Nestlé, Novartis und Roche nur einen marginal kleinen Anteil ihrer Erträge in der Schweiz beziehungsweise im Schweizer Franken erzielen.
Ein zusätzlicher Effekt ergibt sich aus dem regelmässigen Rebalancing: Gewinner werden systematisch reduziert und schwächere Titel aufgestockt, was langfristig einen disziplinierten, antizyklischen Investmentansatz begünstigt.
Nachteile
Es gibt aber auch Nachteile: Durch die geringere Gewichtung defensiver Schwergewichte verliert der Index an Stabilität und kann in volatilen Marktphasen stärkere Schwankungen aufweisen als der klassische SMI. Zudem ist es wenig schlüssig, weshalb kleinere Unternehmen denselben Einfluss erhalten wie global bedeutende Konzerne. Ein weiterer Nachteil liegt in den höheren Umschichtungen: Da die Gewichtung regelmässig angepasst werden muss, steigen die Transaktionskosten, was sich bei Anlageprodukten negativ auf die Nettorendite auswirken kann.
ESG-Blue-Chip-Index mit Inrate
Ebenfalls neu ist der SPI ESG 25. Er stellt eine Teilmenge des breiter gefassten SPI ESG Index dar und soll laut SIX die Entwicklung von Finanzprodukten, die hochliquide Instrumente erfordern, ermöglichen. Der neue Index wählt 25 Unternehmen auf Basis der höchsten kombinierten Werte von Marktkapitalisierung, Orderbuchumsatz und ESG-Impact-Ratings aus. Das Impact-Rating wird von Inrate bereitgestellt.
Die Konstruktion ist kompliziert. Konkret werden die Komponenten nach der Free-Float-Marktkapitalisierung gewichtet und durch einen Faktor angepasst, der ihr Inrate-ESG-Rating widerspiegelt, heisst es in den Erklärungen der SIX. Nur Unternehmen, die Teil des breiteren SPI ESG-Index sind, können für den SPI ESG 25 infrage kommen. Zudem dürfen sie eine bestimmte Umsatzschwelle mit Themen wie Pornografie, Alkohol, Rüstung, Glücksspiel, Gentechnik, Kernenergie, Kohle, fossilen Brennstoffen und Tabak nicht überschreiten.

