Governance
Einen Tag nach ihrer Wahl in den Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank gibt die Multiverwaltungsrätin ihren Rückzug aus dem Postkonzern bekannt. Zuvor gab es heftige Kritik wegen Interessenskonflikten.
14. April 2026 • Beat Schmid

Am Montagabend wurde Bernadette Koch in den Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank (LUKB) gewählt. Heute früh folgte dann die Meldung der Schweizerischen Post, dass die Innerschweizerin «im Zuge ihrer Wahl in den Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank» den Verwaltungsrat der Post verlassen wird. «Nach vielen intensiven und spannenden Jahren für die Post in der Funktion als Verwaltungsrätin habe ich mich dafür entschieden, mein Portfolio neu auszurichten», lässt sich Koch zitieren.

Ganz freiwillig kommt der Rücktritt der Wirtschaftsprüferin bei der Post nicht, wo sie seit 2022 auch Vizepräsidentin war. Denn mit ihrer Wahl in den Verwaltungsrat der LUKB manövrierte sich die Multiverwaltungsrätin in unüberbrückbare Interessenkonflikte. Dies unter anderem, weil die Post mit ihrer Finanztochter Postfinance künftig Kredite vergeben will – ein umstrittener Ausbau des Geschäfts, dem Kantonalbanken naturgemäss kritisch gegenüberstehen, wie Tippinpoint im Dezember schrieb.

Für Governance-Spezialisten war das ein klares No-Go: «Es besteht für mich überhaupt kein Zweifel daran, dass Bernadette Koch nicht gleichzeitig Dienerin dieser beiden Herren sein kann – es geht nur das eine Mandat oder das andere», sagte Governance-Expertin Monika Roth.

Umschwung bei der Post

Die Post sah dies vor Kurzem noch anders. In einem Statement im Dezember schrieb das Staatsunternehmen: «Der Verwaltungsrat hat die Situation überprüft und ist zum Schluss gekommen, dass kein permanenter Interessenkonflikt von grundsätzlicher Bedeutung vorliegt.» Daher habe der Verwaltungsrat die zwei Mandate von Bernadette Koch als «kompatibel» angesehen. Sollte es zu einem situativen Interessenkonflikt kommen, würde Bernadette Koch auf Antrag des Präsidenten in den Ausstand treten. Auch in Luzern sah man keine Probleme.

Um eine gewisse Distanz herzustellen, gab Koch mit ihrer LUKB-Nomination den Rücktritt aus dem PostFinance-Verwaltungsrat bekannt und legte auch den Vorsitz des Audit- und Risikoausschusses des Postkonzerns nieder. Die Post und Koch dürften geglaubt haben, damit den Governance-Aspekten Genüge zu leisten.

Jetzt kommt es also anders. Postpräsident Christian Levrat muss nun eine Nachfolge suchen. «Mit Bernadette Koch verlieren wir eine äusserst engagierte, kompetente und vorausschauende Verwaltungsrätin», schreibt er. Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger werde in den nächsten Wochen gestartet. Koch absolviert noch ihre zweijährige Amtszeit und tritt im Mai 2027 zurück.

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