Update: Klage bestätigt
Der schillernde Valser Investor hinter der Klage gegen die Graubündner Kantonalbank und deren Beteiligung BZ Bank. Streitpunkt ist eine Transaktion, die Martin Ebner eingefädelt hatte.
5. Mai 2026 • Beat Schmid

Am Montag teilte die Ostschweizer Kantonalbank in einer Pflichtmitteilung mit, dass sie mit einer Klage im «mittleren dreistelligen Millionenbereich» konfrontiert sei. Die Klage stehe im Zusammenhang mit einer Kundenbeziehung und einem von der BZ Bank verwalteten Anlageprodukt, teilte die Bank mit. Der Kläger wirft der Bank und den Organen «Pflichtverletzungen» vor. Wie aus Investorenkreisen zu hören ist, handelt es sich bei dem Kläger um Remo Stoffel, einen bekannten Schweizer Investor, der inzwischen in Dubai seine Zelte aufgeschlagen hat.

Stoffel wurde schweizweit bekannt mit dem Kauf der Valser Therme und seinen Plänen, den höchsten Wolkenkratzer Europas im Bergdorf zu bauen. Der an einer Medienkonferenz mit grossem Pomp angekündigte 381 Meter hohe Turm wurde allerdings nie verwirklicht. Zu einem Vermögen kam Stoffel durch den Kauf der Immobilienfirma Avireal aus der Konkursmasse der Swissair. In der Folge kam es allerdings zu einem heftigen, in den Medien ausgetragenen Streit zwischen Geschäftspartnern. Später kamen Probleme mit den Steuerbehörden dazu. Im Jahr 2020 verurteilte ihn die Zürcher Staatsanwaltschaft per Strafbefehl wegen mehrfacher Urkundenfälschung und Unterdrückung von Urkunden.

Ein Jahr zuvor machte er mit einem abrupten Umzug nach Dubai Schlagzeilen. Dort lebt er heute noch mit seiner Frau, der ehemaligen Snowboarderin Manuela Pesko, und den gemeinsamen Kindern. Stoffel bezeichnete den Umzug als «familiäre Entscheidung» und betonte seine geschäftlichen Verbindungen sowie die Weltoffenheit der Wüstenstadt. Kurz nach der Ankündigung seiner Auswanderungspläne wurde er im August 2019 für vier Tage in der Schweiz in Untersuchungshaft genommen. Später sagte er in der «Südostschweiz», dass Anschuldigungen gegenüber seiner Person ihn «schon sehr belastet» hätten, zwölf Jahre lang sei er als Steuerbetrüger und Konkurskandidat in der Öffentlichkeit hingestellt worden.

Streitpunkt Kapitalerhöhung

Die Klage gegen die Graubündner Kantonalbank und BZ Bank steht im Zusammenhang mit einer grösseren Transaktion, die Martin Ebner eingefädelt hatte. Der bekannte Investor ist auch Gründer und ehemaliger Besitzer der BZ Bank. Beim Streit geht es um den Verkauf der Sparte Machining Solutions des Industriekonzerns Georg Fischer an die United Grinding Group, die sich mehrheitlich im Besitz der Patinex AG von Rosmarie und Martin Ebner befand. Die neu entstandene Industriegruppe wurde im Zuge der Transaktion im Juli 2025 in United Machining Solutions (UMS) umfirmiert.

Um den Kaufpreis überhaupt stemmen zu können, kam es zu einer Kapitalerhöhung. Laut einer informierten Quelle liegt der zentrale Streitpunkt bei den Konditionen der Kapitalerhöhung und deren Umsetzung – es geht also nicht um ein Retailgeschäft mit unerfahrenen Beteiligten. «Jeder Investor weiss, mit wem er es zu tun hat, wenn er sich mit Martin Ebner an einen Tisch setzt», sagt ein Investor, der ebenfalls zum Kreis des Ebnerschen Investorenclubs gehört. Wie die GKB gestern mitteilte, erachtet die Bank die Vorwürfe als unbegründet und bestreitet die Forderungen. Man werde sich im Verfahren entsprechend verteidigen.

Eine Sprecherin von Priora, der Gesellschaft von Remo Stoffel, bestätigt die Klage: «Die Klage richtet sich gegen die BZ / GKB im Zusammenhang mit der Ausgabe von Stimmrechtsaktien bei der United Machining Solutions AG vom 25. Januar 2024, bei welcher die BZ / GKB als Vermögensverwalterin auf die Ausübung von Bezugsrechten verzichtete, zum Nachteil der bestehenden Investoren. Die Angelegenheit ist Gegenstand laufender Verfahren. Wir werden uns dazu nicht weiter äussern.»

Update: Der Artikel wurde um die Stellungnahme von Priora ergänzt.

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