Die UBS hatte Startschwierigkeiten. Doch drei Monate nach der Übernahme der Credit Suisse kam die grösste Bank der Schweiz plötzlich in Fahrt. Getrieben vom hohen negativen Goodwill der 3-Milliarden-Transaktion schoss der Aktienkurs seit Mai 2023 steil nach oben.
Vor ziemlich genau einem Jahr durchbrach die Marktkapitalisierung der UBS erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar. Doch seither geht nicht mehr viel. Ende Januar kletterte die Bewertung auf 108 Milliarden Dollar. Aktuell wird die UBS mit 106 Milliarden Dollar gehandelt. Hohe Kosten, Unsicherheiten bei der Integration und bei der Regulierung, ein relativ kleiner Heimmarkt haben die Rallye ausgebremst.
Bitter für die Führungscrew an der Bahnhofstrasse 45. Diese Woche wurde die UBS von der spanischen Grossbank Santander überholt, deren Aktienkurs seit Jahresbeginn eine extrem steile Kurve hingelegt hat. Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 107 Milliarden Dollar. Seit Jahresbeginn sind die Papiere von Santander um 50 Prozent gestiegen. Die Bank mit Ana Botín als Executive Chairman führt damit das Feld der europäischen Banken in diesem Jahr an.
Die europäischen Banken profitieren von der Zinswende, die die Europäische Zentralbank 2022 eingeleitet hat. Das Ende der Negativzinsen hat die Gewinne der Banken in die Höhe getrieben und die Anleger zurück in die Finanztitel gelockt.
BNP Paribas knackt 100-Miliarden-Grenze
Auch andere europäische Grossbanken sind auf dem besten Weg, ebenfalls die Marke von 100 Milliarden Dollar zu knacken. BNP Paribas notiert derzeit bei 99,8 Milliarden Dollar, die beiden italienischen Kreditinstitute Intesa Sanpaolo und Unicredit bei 94 und 92 Milliarden Dollar. Die spanische BBVA bei 83 Milliarden Dollar. (Grösste Bank in Europa ist allerdings nach wie vor die HSBC mit einer Kapitalisierung von aktuell 207 Milliarden Dollar).
Bullish für die europäischen Banken sind die Analysten von JP Morgan, die am Dienstag in einer Notiz schrieben, dass die europäischen Bankaktien weiteres Potenzial hätten. Einen grossen Treiber sehen die Analysten um Bankenspezialist Kian Abouhossein vor allem in der Neuverschuldung europäischer Staaten, allen voran Deutschlands.
Abouhossein bleibt auch der UBS mit seinen durchweg positiven Einschätzungen treu. Gestern hat J.P. Morgan das Kursziel für UBS von 34 auf 37 Franken angehoben und die Aktie auf «Overweight» belassen. Die durchschnittliche Kursprognose aller von den Agenturen erfassten Analysten liegt derzeit bei 32 Franken.