Regionalbanken
Ein massiver Verlust, eine verfehlte Wachstumsstrategie und aus dem Ruder laufende Kosten: Die kleine Bank vom Zürichsee ist kein Opfer strukturellen Drucks – sie scheiterte an strategischen Fehlentscheiden und fehlender Kostendisziplin.
4. März 2026 • Beat Schmid

Offiziell wird der Verkauf der Regiobank Männedorf an die Acrevis-Gruppe mit dem «anhaltenden regulatorischen und technologischen Wandel» begründet, der «insbesondere kleinere Banken vor wachsende Anforderungen» stelle. Doch im konkreten Fall der Bank an der Zürcher Goldküste greifen diese Erklärungen zu kurz. Die Ursachen liegen tiefer – und sind weitgehend hausgemacht.

Anhand eines Vergleichs zentraler Kennzahlen lässt sich relativ präzise bestimmen, ab wann die Regiobank Männedorf aus dem Tritt geriet. Grundlage dafür ist eine Auswertung von 57 Sparkassen und Regionalbanken, die der Luzerner Bankenprofessor Andreas Dietrich gemeinsam mit Matteo Langenegger von der HSLU erstellt hat.

Als eigentliches Schicksalsjahr erweist sich 2019. Damals erlitt die Bank – gemessen an ihrer Bilanzsumme – einen massiven Verlust, der rund fünf Jahresgewinne auf einen Schlag auslöschte. Dass die Regiobank diesen Schock überstand, unterstreicht zwar die grundsätzliche Stabilität des Schweizer Regionalbankensystems. Zum Vergleich: Würde eine Grossbank wie die UBS einen Verlust von rund 40 Milliarden Franken verbuchen, wären einschneidende Kapitalmassnahmen kaum zu vermeiden.

Auf den Grossverlust reagierte die Regiobank mit einem personellen Neustart an der Spitze und einer klar wachstumsorientierten Strategie. Rückblickend zeigt sich jedoch, dass dieser Kurswechsel die Probleme eher verschärfte als löste. Vereinfacht gesagt: Die Kosten explodierten, während die Erträge nicht Schritt hielten.

Besonders auffällig ist der Anstieg der Personal- und Sachkosten, der deutlich über dem Durchschnitt der Schweizer Sparkassen und Regionalbanken lag.

Entsprechend schoss auch die Cost-Income-Ratio in die Höhe – ein klares Warnsignal für die operative Effizienz:

Die neue Strategie zeigte zunächst Wirkung auf der Passivseite: Die Kundeneinlagen wuchsen überdurchschnittlich stark. Doch ab 2023 drehte der Trend. Die Einlagen begannen zu schrumpfen, Kunden zogen Gelder ab. Zwischen 2024 und 2025 sanken die Kundeneinlagen von 275 auf 266 Millionen Franken.

Unterdurchschnittlich entwickelte sich gleichzeitig das Hypothekargeschäft. Das ist bemerkenswert für eine Bank in einer Region, die in den vergangenen Jahren einen ausgeprägten Immobilienboom erlebte. Gerade hier hätte die Regiobank ihre lokale Verankerung und Marktkenntnis ausspielen können – tat es aber nicht in ausreichendem Mass.

Die Regiobank Männedorf ist kein klassisches Opfer von Regulierung, Digitalisierung oder Grössennachteilen. Sie scheiterte primär an strategischen Fehlentscheiden und mangelnder Kostendisziplin nach einem einschneidenden Verlustjahr. Statt die eigene Ertragskraft zu stabilisieren und Risiken zu kontrollieren, setzte das Management auf Wachstum um fast jeden Preis – und verlor dabei die Balance.

Positiv bleibt, dass rechtzeitig ein Käufer gefunden wurde und die Integration in eine grössere Gruppe geordnet erfolgen kann. Für den Schweizer Regionalbankenplatz ist das ein wichtiges Signal: Probleme werden intern gelöst, ohne dass es zu Vertrauensverlusten oder einem Flächenbrand kommt. Der Fall Männedorf zeigt aber auch, dass auch lokal verankerte Traditionsinstitute bei falschen Managemententscheidungen schnell auf dem Tritt geraten können.

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