«Wir lassen uns das nicht gefallen.» Der Verwaltungsratspräsident von Partners Group, Steffen Meister, will gegen den Ende April veröffentlichten Bericht der amerikanischen Investmentfirma Grizzly Research vorgehen. Darin hiess es unter anderem, Partners Group sei «schlimmer als Wirecard». Statt die Sache auf sich beruhen zu lassen, geht der Zuger Investor in die Offensive: «Wir haben uns entschieden, juristisch gegen die Verantwortlichen von Grizzly Research vorzugehen», sagte Meister der «NZZ am Sonntag».
Grizzly ist ein unkonventioneller Short Seller, der mit negativen Analyseberichten aktiv auf die Aktienkursentwicklung eines angegriffenen Unternehmens einwirkt. So auch bei Partners Group, deren Titel am Tag des Angriffs um vier Prozent fielen. Die Zuger wiesen den Bericht umgehend zurück, gleichzeitig kam es zu namhaften Aktienkäufen von Partners-Group-Insidern, wie tippingpoint berichtete.
Eher reputations- als schadensrechtlich motiviert
Ob der juristische Gegenangriff von Erfolg gekrönt sein wird? Entscheidend wird sein, ob sich nachweisen lässt, dass Grizzly Research wissentlich falsche Tatsachen verbreitet oder Marktmanipulation betrieben hat. Reine negative Meinungen oder aggressive Bewertungen («schlimmer als Wirecard») sind in den USA durch die Meinungsfreiheit relativ stark geschützt. Auch enthalten die Reports oft Formulierungen wie «we believe» oder «in our opinion», die ebenfalls auch kaum angreifbar sind.
Interessant ist auch ein anderer Punkt: Wenn Partners Group tatsächlich klagen sollte, erhöht das den Druck auf Grizzly, Belege offenzulegen. Gleichzeitig geht die Gesellschaft damit aber auch ein Risiko ein: Ein Verfahren verlängert die öffentliche Debatte und kann neue Details ans Licht bringen. Als negatives Beispiel gilt ausgerechnet Wirecard selbst. Das Unternehmen versuchte jahrelang, gegen Short Seller und Medien vorzugehen. Das endete katastrophal – gerade deshalb, weil sich die Vorwürfe als zutreffend erwiesen. Die Adani Group attackierte 2023 Hindenburg Research juristisch und kommunikativ. Der Imageschaden blieb dennoch am Unternehmen kleben.Das Vorgehen gegen Grizzly dürfte eher reputations- als schadensrechtlich motiviert sein. Interessant ist, dass Partners Group den in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannten Verwaltungsratspräsidenten vorschickt. Die drei im Verwaltungsrat vertretenen Gründer, insbesondere die in den Medien omnipräsenten Politaktivisten Urs Wietlisbach und Fredy Gantner, schwiegen für einmal.

