Finanzmarktaufsicht muss nachbessern
Die Finanzwächter des Bundes haben den Einsatz von KI-Systemen bei der Finma untersucht. In mehreren Punkten orten sie Nachbesserungsbedarf.
15. Januar 2026 • Beat Schmid

Die Finma ist zugleich ein Koloss und ein Exot innerhalb der Berner Bundesverwaltung. Sie beschäftigt knapp 700 Mitarbeitende und verfügt über ein Budget von 154 Millionen Franken. In den vergangenen Monaten hat die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Aufsichtstätigkeit der Finma genauer geprüft.

Die Untersuchung zeigt, dass der Finanzregulator seit 2018 über sein sogenanntes «Data Innovation Lab» insgesamt 28 KI-Projekte entwickelt hat. Wie die EFK in einem kürzlich veröffentlichten Bericht festhält, sind diese Projekte jedoch nicht in einen institutionalisierten Rahmen eingebettet, der die Zuverlässigkeit der Systeme sicherstellt. Die bereits eingesetzten Anwendungen werden nicht systematisch anhand von Kriterien wie Transparenz, Nichtdiskriminierung oder Zuverlässigkeit bewertet.

«Im Ergebnis befindet sich die Finma in einer initialen Phase des methodischen und organisatorischen KI-Kompetenzaufbaus», heisst es im Bericht wörtlich. Die EFK ortet konkreten Handlungsbedarf insbesondere bei der Wirkungskontrolle und der Evaluation der Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen.

«Darüber hinaus ergab die Prüfung, dass aktuell noch keine strukturierten Verfahren für eine systematische Bewertung der Wirkung und Wirtschaftlichkeit eingesetzter KI-Systeme implementiert sind. Schliesslich zeigte sich, dass die Finma ihre Expertise in den Themenschwerpunkten Datenwissenschaft und künstliche Intelligenz derzeit nur punktuell in bestehende Wissens- und Austauschformate der Bundesverwaltung einbringt.»

Pressespiegel und Risikoprognose

Doch wofür setzt die Finma ihre KI-Systeme konkret ein? Die Anwendungen dienen laut Bericht vor allem der Analyse von Presseartikeln, der Datenaufbereitung oder der Visualisierung von Informationen – also unterstützenden Funktionen, nicht der direkten Aufsicht. So erstellt ein KI-System etwa einen täglichen Pressespiegel, um potenziell aufsichtsrelevante Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Ein anderes System wird zur Schätzung risikogewichteter Vermögenswerte bei Kleinbanken eingesetzt.

Die Finma will nachbessern. Laut Bericht plant die Behörde, bis Ende 2026 einen verbindlichen Bewertungsrahmen für KI-Systeme zu entwickeln. Zudem soll bis dahin ein periodischer Review-Prozess eingeführt werden. Auch den fachlichen Austausch innerhalb der Bundesverwaltung will die Finma künftig stärker nutzen.

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