Nazi-Verbindungen
Die Grossbank wird Dokumente im Zusammenhang mit angeblichen Nazi-Konten nicht herausgeben. Das ist die Konsequenz aus einem New Yorker Urteil von dieser Woche – und eine Schlappe für Anwalt Neil Barofsky.
10. April 2026 • Beat Schmid

Die UBS wird rund 150 als potenziell heikel eingestufte Dokumente nicht herausgeben. Diese stehen im Zentrum einer Auseinandersetzung zwischen der Bank und dem US-Anwalt Neil Barofsky, der seit Jahren in den Archiven der Credit Suisse nach Verbindungen zur Nazi-Zeit sucht. Die UBS stoppte die Zusammenarbeit mit Neil Barofsky, nachdem jüdische Organisationen neue Klagen gegen die Bank ins Spiel gebracht hatten.

Daraufhin versuchte die Bank vor einem Gericht in New York zu klären, dass der historische Vergleich, den Schweizer Banken Ende der 1990er-Jahre geschlossen hatten, auch in Bezug auf mögliche Konten von NS-Funktionären gelte. Die UBS argumentierte, dass der Vergleich von 1999 weitere Haftungsrisiken explizit ausschliesse. Richter Edward Korman stellte diese Woche klar, dass er der UBS keinen Schutz vor zukünftigen Klagen garantieren kann. Ohne diese Rechtssicherheit sieht die Bank ein potenzielles Milliardenrisiko. Als Konsequenz zieht sich die UBS zurück und hält die Dokumente unter Verschluss.

Druck auf die UBS dürfte zunehmen

«Im Interesse der Transparenz hatten wir dennoch nach Möglichkeiten gesucht, dem Ombudsmann (Neil Barofsky) Zugang zu diesen Dokumenten zu gewähren und gleichzeitig angemessene Schutzvorkehrungen zu treffen, da in jüngster Zeit im Zusammenhang mit der Vereinbarung von 1999 mit Rechtsstreitigkeiten gedroht wurde», schreibt die Bank in einem Update auf ihrer Website. «Dies war einer der Gründe, warum wir Richter Korman um eine klärende Stellungnahme gebeten haben. Vor dem Hintergrund des gerichtlichen Entscheids werden wir die Vertraulichkeit der dem Anwaltsgeheimnis unterliegenden Dokumente aus dem Sammelklageverfahren der 1990er-Jahre weiterhin aufrechterhalten.»

Der Druck auf die UBS dürfte damit nicht weg sein. Der Milliardär Ronald Lauder, seit 2007 Präsident des World Jewish Congress, war massgeblich an der historischen Vergleichszahlung von 1,25 Milliarden Dollar im Jahr 1998 beteiligt. Doch der Kosmetik-Milliardenerbe ist überzeugt, dass damals nicht die ganze Wahrheit ans Licht kam: «Wir haben wahrscheinlich 5 bis 10 Milliarden Dollar auf dem Tisch liegen lassen», sagte er in einem Interview im letzten Sommer.

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