CS-Übernahme
CS-Spitzenbanker wie Schweiz-Chef André Helfenstein haben mit der Fusion neue Arbeitsverträge erhalten. Hätten sie die deutlich schlechteren Konditionen nicht akzeptiert, wären sie entlassen worden.
31. Januar 2024 • Beat Schmid

Im Zuge der Integration von UBS und Credit Suisse erhielten zahlreiche CS-Topmanager neue Arbeitsverträge, darunter auch CS-Schweiz-Chef André Helfenstein. Laut Quellen musste er eine deutliche Lohneinbusse hinnehmen. Sein Grundsalär von rund 2 Millionen wurde auf 0,6 Millionen Franken gesenkt – eine Reduktion um 70 Prozent. Helfenstein blieb kaum eine Wahl: Hätte er die Bedingungen des neuen Vertrags nicht akzeptiert, wäre er entlassen worden. Helfenstein akzeptierte.

Er ist nach wie vor CEO der Region Schweiz und Chef der Credit Suisse (Schweiz) AG. Allerdings, und das erklärt zum Teil das tiefere Salär, sitzt Helfenstein seit der formellen Übernahme der Credit Suisse durch die UBS nicht mehr in der Konzernleitung, sondern eine Hierarchiestufe darunter. 2023 wurde die Credit Suisse zu einer Tochtergesellschaft des UBS-Konzerns. Technisch gesehen befindet sich Helfenstein also nicht mehr auf der Stufe GEB minus 1, sondern eine Stufe tiefer auf GEB minus 2, wobei GEB für Group Executive Board steht. Die Medienstelle lehnte eine Stellungnahme ab.

Der einzige CS-Mitarbeiter, der seinen Status als Konzernleitungsmitglied retten konnte, ist Ueli Körner, der von Sergio Ermotti in die Konzernleitung der UBS geholt wurde. Aber auch er rutschte vom CEO zum einfachen Mitglied ab. Wie Helfenstein erging es auch anderen ehemaligen CS-Konzernleitungsmitgliedern, die weiterhin bei der Credit Suisse angestellt sind. Es sind dies die Personalchefin Christine Graeff und die Chief Compliance Officer Nita Patel. Es ist davon auszugehen, dass auch bei ihnen das Basissalär in ähnlichem Umfang gesenkt wurde.

UBS zahlte generell weniger als die CS

Die meisten anderen ehemaligen CS-Mitglieder haben die Bank inzwischen verlassen. Nicht mehr dabei sind Francesca McDonagh, Joanne Hannaford, Dixit Joshi, Edwin Low, Michael Klein und Markus Diethelm. David Wildermuth und Francesco De Ferrari haben neue Aufgaben innerhalb der UBS übernommen.

Die happige Reduktion um 70 Prozent lässt sich aber nicht nur mit der Herabstufung in der Hierarchie erklären. Die UBS zahlte generell tiefere Löhne als die Credit Suisse. Dies betrifft insbesondere auch die Basissaläre der Konzernleitungsmitglieder und der darunter liegenden Stufen. Wie dem Vergütungsbericht zu entnehmen ist, vergütet die UBS dem CEO seit 2011 ein jährliches Basissalär von 2,5 Millionen Franken. «Die übrigen Mitglieder der Konzernleitung erhielten, ebenfalls unverändert seit 2011, je ein Grundgehalt von 1,5 Millionen Franken (oder Gegenwert in lokaler Währung)», heisst es darin weiter.

Bei der Credit Suisse dagegen lagen die Basissaläre rund 500’000 Franken höher. CEO Thomas Gottstein erhielt 2021 ein Grundgehalt von 3 Millionen, die übrigen GL-Mitglieder rund 2 Millionen. Es gab auch Ausreisser: Der Fixlohn des umstrittenen Finanzchefs David Mathers betrug 3,76 Millionen Franken.

Bei der Zusammenführung der Lohnbänder von Credit Suisse und UBS kommt es zu Anpassungen auf allen Ebenen. Dabei werden nicht nur die Fixlöhne angeglichen, sondern auch die Boni, die bei der Credit Suisse zum Teil auch höher waren. Tausende CS-Angestellte müssen sich auf tiefere Entschädigungen einstellen.

Wie tippinpoint berichtete, erhöht die UBS die Lohnsumme für ihre Angestellten um 2,25 Prozent. Die Anpassung per März 2024 gilt auch für die Belegschaft der Credit Suisse.

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