Die Privatbank Julius Bär schrieb im letzten Jahr einen Gewinn von 764 Millionen Franken – was 25 Prozent weniger ist als im Vorjahr, als die Bank 1’022 Millionen Franken auswies. Der Rückgang hat vor allem mit zwei grösseren Rückstellungen zu tun, die die Bank auf dem Kreditbuch vorgenommen hat. Rechnet man diese und andere Sondereffekte weg, dann hätte die Bank einen Vorsteuergewinn von 1,266 Milliarden Franken erzielt. Doch das ist Theorie.
Real dagegen sind die verwalteten Vermögen, die sich im letzten Jahr um 5 Prozent auf 521 Milliarden Franken erhöht haben. Bär spricht von einem neuen Rekordwert. Davon weist die Bank 14,4 Milliarden Franken als Nettoneugeld aus. Die restlichen 10 Milliarden sind auf die Marktentwicklung zurückzuführen. Mit einer Neugeldrate von 2,9 Prozent ist die Bank nicht dort, wo sie sein sollte. EFG International, die deutlich kleinere Konkurrentin, kommt auf eine doppelt so hohe Neugeldrate.
Wie die Julius Bär mitteilt, stammen die Gelder vorwiegend von Kunden mit Domizil in Asien (insbesondere Hongkong, Indien, Singapur und Thailand), Westeuropa (insbesondere Grossbritannien & Irland, Deutschland, Spanien und Portugal) sowie im Nahen Osten (hauptsächlich Vereinigte Arabische Emirate).
Wo bleibt die Schweiz?
Es fragt sich: Wo bleibt die Schweiz? Im Heimmarkt kann Julius Bär nicht auftrumpfen, obschon hier die Credit Suisse verschwunden ist und viele Mandate von vermögenden Kunden auf den Markt gekommen sind. Ganz offensichtlich fanden sie nicht den Weg zu Julius Bär.
Immerhin gelingt es der Bank, die auf 521 Milliarden Franken gestiegene Asset-Basis in Erträge umzumünzen. Sie stiegen um 6 Prozent auf 4,07 Milliarden Franken an. Die Einnahmen aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft erhöhten sich um 5 Prozent auf 2’314 Millionen Franken. Die wiederkehrenden Erträge nahmen um 5 Prozent auf 1’822 Millionen Franken zu. Courtagen und Erträge aus Wertschriftenemissionen kletterten um 12 Prozent auf 802 Millionen Franken. Der Kommissionsaufwand nahm um 23 Prozent zu.
Kostenseite im Nebel
Noch recht nebulös ist der Blick auf die Kostenseite der Bank. Stefan Bollinger hat ein Sparprogramm von 130 Millionen Franken bis Ende 2025 angekündigt. Wo tatsächlich Kosten eingespart wurden, ist nicht erkennbar. Der Geschäftsaufwand nahm insgesamt um 1 Prozent auf 2’823 Millionen Franken zu. Der Personalaufwand erhöhte sich um 3 Prozent auf 1’851 Millionen Franken.
Der Personalaufwand erhöhte sich auch auf bereinigter Basis. Er nahm um 4 Prozent auf 1’848 Millionen Franken zu – «teilweise aufgrund höherer Incentive- und leistungsbezogener Kosten», erhöhter Vorsorgeaufwendungen sowie höherer Abfindungszahlungen, wie es in der Mitteilung heisst.
Dabei schrumpft die Bank personell: Ende 2025 beschäftigte die Gruppe 7’390 Vollzeitkräfte (FTE), 205 FTE weniger als Ende 2024. Besonders augenfällig ist der Rückgang bei den Kundenberaterinnen und Kundenberatern. Die Zahl der RMs betrug Ende 2025 1’262 (FTE) – das sind 118 FTE weniger als im Vorjahr. Davon fielen 28 RM-Stellen durch den Verkauf von Julius Baer Brazil weg.
Der Verwaltungsrat von Julius Bär schlägt eine unveränderte Dividende von 2.60 Franken pro Aktie vor.

