Am Mittwoch kamen die Aktionäre der UBS zusammen. In Basel wählten sie unter anderem drei neue Verwaltungsräte. Neben dem Wechsel von Markus Ronner in den Verwaltungsrat der UBS, wo er Lukas Gähwiler als Vizepräsident ablösen wird, kommt es zu zwei weiteren Neuzugängen.
Gewählt wurde der Mexikaner Agustín Carstens, der als Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bekannt wurde. Zuvor war der 68-Jährige, der letztes Jahr eigentlich seinen Rückzug aus dem Banking bekannt gab, unter anderem Gouverneur der Zentralbank von Mexiko. Ebenfalls ins Gremium kommt Luca Maestri, ein hoher Manager des Computerriesen Apple. Mehr als zehn Jahre war er Finanzchef des Techkonzerns.
Carstens und Maestri sind zweifellos fähige Manager, die viel geleistet haben und einen eindrucksvollen Leistungsausweis vorlegen können. Damit erfüllen sie alle Kriterien vieler international agierender Weltkonzerne. Doch sind sie auch eine Idealbesetzung für das höchste Leitungsgremium der letzten verbliebenen Schweizer Grossbank?
Keine normalen Zeiten
Erfahrene Beobachter der Schweizer Bankenszene haben Zweifel. Weder Carstens noch Maestri kennen die Schweiz. «Sie sprechen keine Landessprache und sind hier nicht vernetzt – in der Wirtschaft und auch in der Politik nicht», sagt eine Quelle. Das ist ein Manko, das in normalen Zeiten vielleicht entschuldbar wäre. Doch die UBS lebt nicht in normalen Zeiten – wie die laufende Debatte um die künftige Too-big-to-Fail-Regulierung zeigt.
Das Primat liegt bei der Politik, und als Schweizer Bank hat sich die UBS diesem Diktat zu unterwerfen – ob es ihr passt oder nicht. Die andere Realität ist: Niemand sonst als die Schweiz wird der UBS im Krisenfall beistehen. Die Schweizerische Nationalbank ist der Lender of Last Resort, und die Eidgenossenschaft und damit der Steuerzahler sind die Retter in der Not. Das müsste eigentlich Anreiz genug für die UBS sein, um unabhängige Vertreter in den Verwaltungsrat zu holen, die über grosses Vertrauen bei den Schweizer Institutionen verfügen.
Carstens und Maestri können das nicht bieten – wie auch Colm Kelleher im übrigen nicht. Die anderen unabhängigen Schweizer Vertreter, Patrick Firmenich und Renata Jungo Brüngger, haben sich bisher nicht in öffentlichen Diskussionen zum Eigenkapital eingebracht. Schweizer Bankenprofessor Alfred Mettler sagte vor einem halben Jahr in einem Interview, dass die UBS «unbedingt» mehr Schweizer Vertreter vom Schlage eines Peter Spuhler im Spitzengremium brauche.
Er hat recht. – Die Diskussion über das Eigenkapital würde einen ganz anderen Verlauf nehmen, wenn beispielsweise Thomas Jordan in den Verwaltungsrat der UBS einziehen würde. Natürlich würde eine Nominierung zu Diskussionen führen, schliesslich spielte Jordan eine entscheidende Rolle bei der CS-Notübernahme. Hinter vorgehaltener Hand sehen Beobachter den ehemaligen SNB-Direktoriumspräsidenten jedoch als Traumverwaltungsrat für die Grossbank. In der Schweiz gibt es nicht viele Leute mit einem Profil wie der Ex-SNB-Chef.
Aktuell sitzt Jordan im Verwaltungsrat der Zurich Insurance und wird voraussichtlich am Donnerstag ins Nestlé-Board gewählt. Jordan kann dem Nahrungsmittelkonzern sicher einiges bringen. Doch nirgends wären seine fachlichen Fähigkeiten und seine politischen Erfahrungen gefragter als bei der UBS. Hat die UBS Jordan für den Verwaltungsrat gefragt? Wir wissen es nicht.

