Seit Dienstag herrscht noch grössere Konfusion darüber, wie viel Eigenkapital die UBS aufbauen muss. Deshalb hat die euphorische Reaktion der Börse etwas Irrationales.
8. Mai 2024 • Beat Schmid

Es sei schwierig, das Haar in der Suppe zu finden, sagt ein Beobachter der Grossbank. Angesichts des Milliardengewinns im ersten Quartal sind viele notorische Nörgler verstummt. Auch die Reaktion der Börse hat einige Kritiker verstummen lassen: 7,5 Prozent Plus an einem Tag – wann gab es das zuletzt?

Man hat den Eindruck, UBS-Chef Sergio Ermotti wollte es allen zeigen. Dem Bundesrat, der Öffentlichkeit, den Aktionären, den Kunden und den Mitarbeitenden. Ermottis Auftritt war selbstbewusst und auch ein wenig trotzig. Als wollte er sagen: Kommt her, ihr Neider, die ihr mich wegen meines Millionensalärs kritisiert habt, ich bin jeden Franken wert.

Die Überraschung gelang. Auch, weil die Analysten so daneben lagen. Möglicherweise waren die falschen Prognosen Teil des Kalküls. Klar ist: Mit einer besseren Guidance der IR-Teams wären die Schätzungen präziser und die Überraschung kleiner ausgefallen. Unterschätzt haben die Analysten vor allem die gute Performance der Abwicklungseinheit, der sogenannten Non-Core-and-Legacy-Einheit.

Ein ordentliches, aber kein überragendes Ergebnis

Betrachtet man die Geschäftseinheiten, so hat die UBS ein ordentliches, aber kein überragendes Ergebnis erzielt – zumal das erste Quartal immer das beste des ganzen Jahres ist. Im Kerngeschäft Global Wealth Management bleibt der US-Markt eine grosse Baustelle. Mit einer Cost-Income-Ratio von über 90 Prozent sind die Probleme noch lange nicht im Griff. Das Asset Management verzeichnete ein schwaches Quartal. Gewohnt solide schloss die Schweizer Einheit ab. Überraschend gut war das Ergebnis der Investment Bank. Allerdings: Ein Teil der Erträge stammt aus Geschäften der Credit Suisse, die die UBS herunterfahren wird.

Die starke Kurskorrektur vom Dienstag hatte deshalb auch etwas Irrationales. Dies umso mehr, als in einer zentralen Frage die Verwirrung seit gestern eher noch zugenommen hat: Wie viel Eigenkapital muss die Grossbank aufbauen? Sergio Ermotti wollte nicht sagen, was die vom Bundesrat vorgeschlagenen Eigenmittelvorschriften konkret für die Bank bedeuten. Die Bank sei nicht konsultiert worden, sagte er pikiert auf Fragen von Analysten und Journalisten.

Neue Zahlen aus dem Hut gezaubert

Stattdessen zauberte Ermotti zwei neue Zahlen aus dem Hut. 10 und 9 Milliarden Dollar Eigenkapital müsse die UBS ohnehin aufbauen, weil sie gewisse Kapitallöcher der Credit Suisse stopfen, die Basel-III-Bestimmungen umsetzen und wegen der grösseren Bilanz progressive Kapitalpuffer erfüllen müsse. Für diesen Phase-in hat die UBS allerdings bis 2030 Zeit. Ob es dann tatsächlich so viel ist, wird sich zeigen, denn bis dahin wird die Bank ihre Bilanz schrumpfen, was den Kapitalbedarf wieder reduziert.

Nicht enthalten in den 19 Milliarden ist die Kapitalisierung der Tochtergesellschaften, die der Bund erhöhen will. Wie viel das ausmacht, darüber hätte man am Dienstag gerne mehr erfahren. Zudem ist völlig unklar, welche Art von Eigenkapital die UBS aufbauen muss. Hartes Eigenkapital? Softes Eigenkapital? Bail-in-Kapital? Das Management der Bank hatte mehrere Wochen Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Angesichts all dieser Unklarheiten ist der Optimismus an der Börse erstaunlich. Wie nachhaltig die positive Stimmung ist, wird sich zeigen. Die Aussichten für die nächsten Quartale sind jedenfalls eher verhalten. Sinkende Zinsen dürften die Erträge belasten. Das gute Ergebnis der Abwicklungseinheit Non Core and Legacy im ersten Quartal war ein Ausreisser. Die Verluste sind aufgeschoben. Bis zum Jahresende dürften hier rund 2,5 Milliarden Dollar anfallen.

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