Sergio Ermotti bezeichnet Verzögerungen bei der IT-Integration erstmals als das grösste Risiko. Wenn es zu Problemen kommt, könnte das auch am Setup der Integration liegen. Haben die Business-Einheiten zu viel Einfluss?
14. Mai 2024 • Beat Schmid

Jetzt geht es ans Eingemachte. Sobald die UBS die rechtliche Fusion mit der Credit Suisse Ende Monat vollzogen hat, kann sie mit der Überführung von Hunderttausenden CS-Kunden auf die eigenen Plattformen beginnen.

UBS-Chef Sergio Ermotti sagte am Montag bei einer Reuters-Veranstaltung, dass eine Verzögerung dieser Kundenübernahme das grösste Risiko im Integrationsprozess in diesem Jahr darstelle. Dies könnte darauf hinauslaufen, dass ein Teil der von der Bank geplanten Kosteneinsparungen in Höhe von 13 Milliarden Dollar nicht realisiert werden könnten, sagte er.

Ermotti zweifelt nicht an der Fähigkeit der Bank, die Transaktionen durchzuführen. «Das eigentliche Risiko besteht darin, dass sich die Realisierung von Synergien verzögert. In diesem Sinne müssen wir natürlich planen und glaubwürdig sein in dem, was wir tun. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen und nicht zu selbstgefällig werden», fügte Ermotti hinzu.

Damit sendet der UBS-Chef ein Signal an die Integrationsteams. Die geplanten Kosteneinsparungen von 13 Milliarden Dollar werden nur dann voll zum Tragen kommen, wenn es der Bank gelingt, die Integration bis Ende 2025 abzuschliessen und ein Jahr später alle IT-Systeme der Credit Suisse abzuschalten. Wenn dieser Plan nicht eingehalten werden kann, können die laufenden Kosten nicht gesenkt werden.

200 Millionen pro Monat?

Jeder Monat, in dem die IT-Systeme der CS weiterlaufen, kostet Geld, da die Systeme gewartet werden müssen, hohe Lizenzkosten anfallen und ja, auch Mitarbeiter weiterhin bezahlt werden müssen. Wieviel das ausmacht, ist schwer abzuschätzen. Insider gehen davon aus, dass eine Verzögerung von einem Monat die Bank rund 200 Millionen Franken kosten könnte.

Der Druck ist also gross. Verantwortlich für die Integration ist in der Geschäftsleitung Michelle Bereaux, die seit 25 Jahren für die Bank arbeitet und seit letztem Mai Group Integration Officer ist. Ihr Einfluss ist allerdings beschränkt, denn für die Umsetzung der Integration sind die Leiter der Business Lines verantwortlich. Bereaux kann also nicht einfach Wealth-Management-Chef Iqbal Khan oder Schweiz-Chefin Sabine Keller-Busse sagen, welche Applikation sie von der CS übernehmen können und welche nicht. Hier haben die Bereichsleiter das Sagen.

Michelle Bereaux kann also nicht den Takt vorgeben, weil viele Entscheidungen in den Business Lines getroffen werden. Es sei mehr ihre Aufgaben, den Integrationsprozess zu moderieren und zu koordinieren, sagen UBS-Führungskräfte. Sie sehen in dieser Konstellation das Hauptrisiko für die fristgerechte Umsetzung der Integration. Anders wäre es, wenn eine Person in der Geschäftsleitung zentral die Hauptverantwortung für die Integration tragen würde und die Business Units nur konsultiert werden müssten. Dieses Setup zu ändern, sei jetzt nicht mehr möglich, sagen Kenner. Dafür sei es zu spät.

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